9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.11.2018 - Medien

Man hört das Aufatmen Michael Hanfelds auf seiner FAZ-Medienseite förmlich: "Die Bundesregierung steht zum Urheberrecht im digitalen Zeitalter, und sie steht zu einem Leistungsschutzrecht für Presseverleger. Das sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Montag bei einer Konferenz der Initiative Urheberrecht in Berlin."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.11.2018 - Medien

Carole Cadwalladr, die für den Observer den Skandal um Cambridge Analytica aufdeckte und Verwicklungen zwischen der Trump-Kampagne und den Brexiteers untersucht, wurde  von dem prominenten BBC-Moderator in einem Tweet "verrückte Katzenlady" beleidigt. Das Tweet wurde zurückgezogen, die BBC thematisierte die Beleidigung, ließ Cadwalladr aber nicht zu Wort kommen: Dies Tweet, schreibt Cadwalladr, "hat eine ganze neue Welle aus Hass auf meinen Laptop gespült. Denn eine 'verrückte Katzenlady' ist nicht einfach eine tierliebe Person mit starken Meinungen, sondern eine Frau, die außerhalb der guten Gesellschaft steht. Die nicht den üblichen Normen folgt. Die man vor ein paar hundert Jahren auf einem Scheiterhaufen verbrannt hätte. Ich bin eine Frau in mittleren Jahren ohne Kinder. So ist es nun mal. Ich verkörpere eine der letzten Kategorien zugelassener Vorurteile, die Schlampe über dreißig."
Stichwörter: Cambridge Analytica

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.11.2018 - Medien

David Signer beschreibt in einem interessanten Hintergrundartikel in der NZZ, wie Presse in Senegal funktioniert. Einerseits recht frei, andererseits dann doch sehr viel "Hofberichterstattung": "Offizielle Verlautbarungen der Regierung, Berichte über Straßen- oder Spitaleinweihungen, Beiträge aus einer Malaria- oder Statistikkonferenz, Gastkommentare von Politikern. Eigenleistungen - also Recherchen, Alltagsgeschichten, Interviews, Reportagen, investigative Berichte - gibt es kaum. Die Bilder zeigen vor allem Köpfe von Politikern, Sportlern und Showstars."
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Stichwörter: Senegal

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.11.2018 - Medien

Fox News hat sich im Streit um die entzogene Akkreditierung des CNN-Journalisten Jim Acosta auf die Seite von Trumps Erzfeind geschlagen, meldet Christian Zaschke auf der Medienseite der SZ: "Senderchef Jay Wallace erläuterte, dass man zwar den zunehmend feindseligen Ton zwischen der Presse und dem Präsidenten nicht billige, aber selbstverständlich für die Pressefreiheit einstehe. Die Vergabe von Akkreditierungen dürfe niemals als Waffe eingesetzt werden, sagte er." Und in der NZZ erklärt Marc Neumann, wie das Video manipuliert wurde.

Das Bundesverfassungsgericht hat vor vier Monaten entschieden, dass für Zweitwohnungen kein Rundfunkbeitrag fällig ist. Die Nachfolgeorganisation der GEZ verschickt dennoch bis heute an insgesamt 3,5 Millionen Menschen "Klärungsschreiben" mit dem Hinweis, auch Zweit- und Nebenwohnungen seien beitragspflichtig, meldet Joachim F. Thornau in der FR. Pressesprecher Christian Greuel winkt auf Nachfrage ab: "Das sei sehr aufwendig, da werde viel vorproduziert - und nach dem Karlsruher Urteil sei es halt nicht die erste Maßnahme gewesen, das Schreiben zu korrigieren. Schließlich finde man auf der Internetseite ja alle Informationen. Aber was ist, wenn sich jemand nur auf den Brief verlassen hat und deshalb jetzt zahlt, was er gar nicht zahlen müsste? Ist er oder sie dann gekniffen? Ja, muss Greuel zugeben, 'dann ist das so'."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.11.2018 - Medien

Hilja Müller porträtiert für die taz die philippinische Journalistin Maria Ressa, die für ihre Berichterstattung über den Drogenkrieg von Präsident Rodrigo Duterte den Knight International Journalism Award erhalten hat und daraufhin prompt mit Steuernachforderungen für ihr Magazin Rappler konfrontiert wurde. Die Philippinen, so Müller, sind für Journalisten eines der gefährlichsten Länder der Welt: "Dutzende Reporter sind in den vergangenen Jahren ermordet worden, weil sie dunkle Machenschaften oder politische Kungeleien der Reichen und Mächtigen aufzudecken versuchten. Die Anschläge verlaufen immer nach dem gleichen Muster: Unbekannte Vermummte geben von Motorrädern aus Schüsse ab und verschwinden ebenso schnell, wie sie aufgetaucht sind. Die Aufklärungsrate dieser Auftragsmorde ist beschämend gering."
Stichwörter: Philippinen

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.11.2018 - Medien

CNN erhebt Klage gegen das Weiße Haus, nachdem Präsident Donald Trump angeordnet hatte, dass dem Reporter Jim Acosta die Akkreditierung entzogen wird (unsere Resümees). In einem Statement begründet der Sender seinen Schritt. Das Argument der Trump-Sprecherin Sarah Sanders, dass CNN eine Menge weiterer Reporter mit Akkreditierung habe, will CNN nicht gelten lassen; "Für viele Journalisten und Verteidiger der Meinungsfreiheit ist das nicht der Punkt. Ein Statement der correspondents' association spiegelt die Meinung vieler Journalisten wider: Der Präsident 'sollte es nicht als seine Sache betrachten, die Frauen und Männer auszuwählen, die über ihn berichten dürfen'."

Auch das New York Magazine und Quartz werden eine Paywall hochziehen. Joshua Benton stellt im Nieman Lab die bange Frage, wie viele Paywalls die Leser sich wohl werden leisten wollen. Bei der Washington Post habe es funktioniert. Aber "nur 16 Prozent der Amerikaner sagen, dass sie willens seien, für Online-News zu bezahlen. Wird, wer zuerst die Times oder die Post abonniert, noch einen zweiten, dritten, vierten Dienst abonnieren? Vor allem wenn der zweite oder dritte Dienst genau so viel oder mehr kostet wie die überregionale Lieblingszeitung?"

Oh Gott, die Öffentlich-Rechtlichen expandieren mit ihren Schmonzetten. Michael Hanfeld untersucht in der FAZ die neue Kooperation zwischen den Sendern und der Telekom, die alte Inhalte der Sender in ihrer neuen App Magenta TV anbieten wird. Auch mit Sky kooperiere man ja bereits, so die Sender: "Wie das aussieht, wissen Kunden mit den entsprechenden Abos längst. Pay-Kanäle wie Romance TV (bei Sky) oder der Heimatkanal aus dem Hause Mainstream Media könnten ohne öffentlich-rechtliche Filme und Serien gar nicht existieren. Bei Romance TV laufen die Rosamunde-Pilcher-Filme des ZDF und die Herzschmerzkomödien der ARD nonstop."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.11.2018 - Medien

Der Guardian hat sich anders als die meisten anderen großen Medien entschieden, seine Inhalte nicht hinter einer Paywall wegzuschließen und hat statt dessen vor drei Jahren ein Modell freiwilliger Unterstützung durch die Leser eingerichtet - und es funktoiniert, schreibt Chefredakteurin Katherine Viner in einer Art Brief an die Leser: "Heute bekannt geben zu können, dass wir in den letzten drei Jahren von mehr als einer Million Lesern weltweit finanzielle Unterstützung erhalten haben, ist solch ein wichtiger Schritt. Dies Modell der Finanzierung durch freiwillige Abos des Guardian, des Observer und des Guardian Weekly funktioniert. Und das heißt, dass der Guardian nach drei Jahren auf dem Weg zum sicheren Bestand ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.11.2018 - Medien

Im Blog der NYRB sieht Michael Massing Donald Trump und CNN in einer sehr unguten Ko-Anhängigkeit. Ökonomisch beschert der Präsident dem Sender einen Goldregen, dafür revanchieren sich die Journalisten mit endlosem Draufhauen: "More generally, the network's coverage seemed uninformative, repetitive, and nakedly partisan. Apart from a some perfunctory I'm-here-in-red-state-America-to-speak-with-the-locals dispatches, it featured few in-depth reports on developments on the ground. Instead, it offered talking heads reciting familiar talking points. With immigration and related questions of national identity having become so salient both in America and throughout the world, I was surprised at how little genuine interest CNN showed in it."

Im NZZ-Interview erzählt die Bloggerin Manya Koetse, was sich auf Weibo so tut, dem chinesischen Pendant zu Twitter. Politik spielt kaum eine Rolle, die Leute bewegen Telenovelas, süße Roboter oder Tyrannen im Zug: "Man ist dankbar, im sicheren China zu leben und nicht im unsicheren Europa. Generell kann man feststellen, dass Europa sehr langsam in der digitalen Transformation und sehr international ausgerichtet ist. China dagegen ist sehr schnell in der Transformation und sehr auf China ausgerichtet."
Stichwörter: Cnn, Trump, Donald

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.11.2018 - Medien

Suzanne Moore bekennt im Guardian Entsetzen über die Pressekonferenz, in der Donald Trump, den CNN-Journalisten Jim Acosta fast schon tätlich angriff. Das Entsetzen gilt allerdings vor allem der werten Kollegenschaft, die der Szene mucksmäuschenstill beiwohnte: "Es wird Zeit, dass das amerikanische Pressekorps gegen den Präsidenten aufsteht", schreibt sie: "Was für Leute sitzen herum und gucken zu, wie ein Kollege schikaniert wird? Leute in einem Job mit schlechtem Status, die Angst vorm Boss haben? Leute mit geringer Selbstachtung, die denken, dass sie ohnehin nichts tun können? Feiglinge? Vielleicht. Auf diese Weise wird der Aggressor bestätigt und kann seinen Kampf weiter führen. Ich würde nicht sagen, dass mein Beruf voller Leute mit geringer Selbstachtung ist, die sich schnell ducken. Ich denke an all die mutigen Reporter da draußen. Ich weiß, dass die meisten Schreiber Egomanen sind. Wie erklären wir also das Verhalten der gesamten Presse bei Donald Trumps Pressekonferenz?"

Ganz anderes sieht es der SZ-Korrespondent Hubert Wetzel, der Acosta Selbstinszenierung vorwirft: "Jim Acosta bot sich für eine solche Strafaktion geradezu an. Der 47-Jährige, dessen Vater einst aus Kuba in die USA geflohen war, hat es zu seinem Markenzeichen gemacht, Trump bei Pressekonferenzen herauszufordern. Er stellt dabei oft Fragen, die eigentlich keine echten Fragen sind, sondern als Fragen formulierte Vorwürfe oder Anschuldigungen."

Auch die Washington-Post-Kolumnistin Margaret Sullivan sieht Acosta als einen aggressiven Journalisten, was Trump aber nicht das Recht gebe, ihm die Akkreditierung zu entziehen. Wie sollte die Presse reagieren? "Ein Boykott oder Blackout widerspricht der Idee, dass Journalisten nun mal da sind, das Publikum zu informieren und würde die Pressekonfernzen seinen schlimmsten Schönschreibern überlassen. Nein, es braucht mehr: CNN sollte Trump auf der Grundlage des ersten Verfassungszusatzes verklagen."

Acosta ist nicht der Held, als der er erscheint, meint Emily Maitlis in der BBC. Als die Szene geschah, hatte er seine Frage schon gestellt, nun monopolisierte er das Mikrofon und setzte  zu weiteren Fragen an: "Was in diesem Raum geschah, war nicht der ultimative Kampf für die Pressefreiheit. Es ging hier nicht darum, Leib und Leben gegen ein Regime zu riskieren, in dem es keine  Meinungsfreiheit gibt. Das war ein Kerl, der in einem Raum voller Kollegen saß, die alle auch Fragen stellen wollten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.11.2018 - Medien

FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld kann den Schaum vorm Mund mal wieder nicht bremsen. Die SPD-Justiziministerin Katarina Barley hat sich ausgerechnet auf einem Zeitungsverlegerkongress schüchtern gegen ein Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse ausgesprochen: "Damit legt ausgerechnet die Vertreterin der Bundesregierung, die das Leistungsschutzrecht in Deutschland beschlossen hat, die Axt an eine gleichgelagerte Lösung für die EU, die im Europäischen Parlament nach einem harten Kampf inklusive eines von Lobbyvertretern der Digitalkonzerne gesteuerten Shitstorms (der an dieser Stelle in allen Einzelheiten dargelegt wurde) ausgehandelt worden ist."