9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

1009 Presseschau-Absätze - Seite 1 von 101

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.06.2018 - Medien

Weil er auf eine Frage nicht antworten wollte, hat Horst Seehofer in einem Interview gesagt: "Wir müssen nicht nach Russland schauen. Die meisten Fake News werden in Deutschland produziert, von Medien wie von Politikern." Constanze Kurz schreibt dazu in ihrer FAZ-Kolumne: "Man muss solche Aussagen als Angriff auf die freie Presse begreifen, die in geradezu trumpöser Weise ohne Belege geschehen. Wo und wer diese Falschnachrichten verbreitet hätte, wird gar nicht erst versucht zu erklären. Dass Journalisten verlogene Gestalten sind, scheint schon eine Art Konsens zu sein, sie zu verunglimpfen kein Problem mehr."
Stichwörter: Seehofer, Horst, Fake News

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.06.2018 - Medien

Der Axel Springer Verlag, der so sehr unter der Digitalisierung leidet, dass er ein europaweites Leistungsschutzrecht zum Überleben braucht, feiert seinen prächtigen, von Rem Koolhaas geplanten Neubau mit einem Baustellendinner, lesen wir in der Welt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2018 - Medien

Das niederländische Online-Magazin De Correspondent hat nach fünf Jahren 60.000 zahlende Abonnenten und kann sich gut über Wasser halten, schreibt Tobias Müller in der taz. Dass ein solches Modell in Deutschland nicht zustande kam, mag auch mit einem Ansatz von Journalismus zu tun haben, der deutschen Kollegen recht fremd sein mag: "Zentrale Elemente: ein Schwerpunkt auf Hintergrund, absolute Werbefreiheit sowie die Autoren, nach denen das gesamte Projekt benannt ist. 'Korrespondenten' gibt es unter anderem für die Kategorien Bildung, Ökonomie, Mobilität und Stadtleben, Extremismus sowie Technologie und Kultur. Es handelt sich um Spezialisten, die permanent mit ihrer Materie beschäftigt sind und in eigenen Newslettern darüber informieren. Zugleich bitten sie die Abonnenten auch um Anregungen, Feedback und Mithilfe durch Teilen ihres Wissens."

Die Uebermedien übernehmen einen sehr gut belegten Blogartikel des Juristen Henning Ernst Müller, der noch einmal die gesamte, heute ziemlich haltlos wirkende Recherche des "Rechercheverbunds" aus SZ, NDR und Radio Bremen zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und seiner Bremer Zweigstelle auseinander nimmt und zu einem vernichtenden Urteil kommt: "Die Rechercheure von SZ, NDR und Radio Bremen haben etwas getan, was sie auf keinen Fall tun durften: Sie haben Menschen mit Vorwürfen maximal geschadet, um eine Geschichte zu bringen, die schlecht recherchiert und unausgegoren war und damit den Rufmord vor die Recherche gestellt." Die Uebermedien präsentieren unter dem gleichen Link auch die Antwort des NDR-Investigativchefs Stephan Wels : "Ich glaube, da liegt ein Missverständnis vor."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.06.2018 - Medien

Der Urheberrechtler Leonhard Dobusch führt für Netzpolitik eine Kolumne über sein Wirken in einem öffentlich-rechtlichen Fernsehrat. Den neuen "Telemedienauftrag" der Sender mit dem Kompromiss über die Reduktion "presseähnlicher" Texte in den Online-Angeboten der Sender nennt er eine Kapitualtion vor der Verlagslobby und zählt neun Gründe für mehr öffentlich-rechtliche Texte im Netz auf. Einer davon: "Abgesehen davon, dass die lautesten Kritiker von öffentlich-rechtlichen Textinhalten Vertreter hochprofitabler Medienkonzerne sind, ist öffentlich-rechtliche Konkurrenz kein Grund für wirtschaftliche Probleme einzelner Verlag(sangebot)e. Das lässt sich in den USA beobachten, wo das Zeitungssterben besonders weit fortgeschritten ist, es aber keine nennenswerte öffentlich-rechtliche Konkurrenz gibt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.06.2018 - Medien

In Zeiten, wo die im bösen Internet kursierenden Fake News beklagt werden, freuen sich Politiker, Sender und Zeitungen über den jetzt stolz präsentierten neuen "Telemedienauftrag" für die öffentlich-rechtlichen Sender. Die Zeitungen, die mehr Inhalte hinter Paywalls verschwinden lassen wollen, haben darauf gedrängt, dass die Sender sich nicht "presseähnlich" verhalten und Texte bringen. Darauf hat man sich nun geeinigt. Zeitungsfundamentalist und FAZ-Medienredakteur Michael Hanfeld mag es noch nicht recht glauben: "Ob es bedeutet, dass die Sender - vor allem die ARD - ihre reine Online-Textproduktion, in die in den vergangenen Jahren hohe Millionenbeträge geflossen sind, reduzieren? Das muss sich erst noch erweisen."

Unzufrieden sind laut Alexander Krei bei dwdl.de die Lobbyisten der Film-Produzenten: "Die Organisationen stören sich vor allem an den deutlich ausgeweiteten Verweildauern von Filmen und Serien im Netz sowie an der Möglichkeit, auch Kaufproduktionen - etwa europäische Filme und Serien - in die Mediatheken einzustellen."

Ob Philipp Ruch vom "Zentrum für politische Schönheit" verlangen kann, dass AfD-Politiker von öffentlich-rechtlichen Talkshows ausgeschlossen werden, da die Öffentlich-Rechtlichen doch zur Ausgewogenheit verpflichtet sind und kaum eine 14-Prozent-Partei beschweigen können, ist die eine Sache. Interessanter klingt sein allgemeinerer Gedanke zu Talkshows, den er im Gespräch mit der FR-Journalistin Katja Thorwarth äußert: "Über den Talkshows liegt eine Intellektuellenfeindlichkeit, die gefährlich ist für eine öffentliche Debatte. Das gesellschaftliche Selbstgespräch lebt von einfallsreichen und widerständigen Geistern. In dem Moment, in dem die gesellschaftlichen Debatten unter Ausschluss öffentlicher Intellektueller geführt werden, wird eine Gesellschaft seltsam kleingeistig, stumpfsinnig und starr. Ohne die kulturelle Energie sind wir Menschen nur Barbaren." Fragt sich nur, wen er damit meint?

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.06.2018 - Medien

Wie groß ist der Beitrag der öffentlich-rechtlichen Sender und namentlich ihrer Talkshows am Aufstieg der AfD? Sandra Maischberger antwortet heute in der Zeit auf Forderungen, die Talkshows pausieren zu lassen, um der AfD nicht noch mehr Foren zu verschaffen. Schuld ist für sie ohnehin das Netz: "Je größer die gesellschaftlichen Friktionen werden, desto weniger scheinen wir die Auseinandersetzung darüber zu ertragen. Vielleicht sind wir zusätzlich mürbe durch den nicht mehr versiegenden Strom aus Wut, Hass und Empörung, der uns aus dem Netz entgegenquillt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.06.2018 - Medien

Nun bespricht auch Ekkehard Knörer das dann doch recht breit rezipierte Schirrmacher-Porträt Michael Angeles und benennt im Standard, was am Felix-Krull-haften des Alphajournalisten so genau die Epoche repräsentierte: "'Integrierter Außenseiter' ist die treffende Formel, die Angele für Schirrmachers Position findet. Das Integrierte liegt am Homosozialen. 'Jungs unter sich' wäre ein passender Untertitel des Buchs. Im eng geschlossenen Kreis der mächtigen Medienmänner funktionierte offenkundig auch das vielfach dokumentierte Kindische am Charakter Schirrmachers gut."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.06.2018 - Medien

Ein Burgfrieden der Mediengewaltigen, ein Schlag gegen frei zugängliche Information im Internet. Die Öffentlich-Rechtlichen haben sich  mit dem von Mathias Döpfner angeführten Zeitungsverlegerverband geeinigt, ihre Texte im Netz zu reduzieren, damit auch die Verleger ihre frei zugänglichen Inhalte im Netz weiter reduzieren und hinter Zahlschranken stecken können, berichtet Ulrike Simon bei Horizont.net, "ein Zugeständnis an die Verleger, die stets argumentierten, ein scheinbar kostenloses (da über den Rundfunkbeitrag bereits abgegoltenes) Digitalangebot mit hohem Textanteil und nachrichtlichem Informationswert erschwere die Refinanzierung von digital dargebotenem Journalismus hinter Paywalls. Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen bestritten das." Bei Streitfällen soll eine gemeinsam betriebene Schiedsstelle für außergerichtliche Einigungen sorgen.

Die Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen sind angesichts der populistischen Welle in der Politik ein überlebtes Format, schreibt Georg Diez in seiner Kolumne bei Spiegel online: "Sie sind damit Spiegelbild des Fernsehens generell, das ja auch so tut, als sei es ewig 1990. Eine Generation von Redakteuren und Moderatoren schaukelt da gemeinsam gemütlich durch die Weltgeschichte und will nicht sehen, wie inzestuös die politische und die mediale Krise miteinander verbunden sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.06.2018 - Medien

Die Öffentlich-Rechtlichen haben sich praktisch vom klassischen Kino verabschiedet, bemerkt Ralf Wiegand in der SZ. In ARD und ZDF läuft nur noch Selbstproduziertes: "Die ARD strahlte in ihrem ersten Programm im Jahr 2016 nur noch sieben Klassiker des US-amerikanischen Films aus - im Jahr 2000 waren es noch 122 gewesen. Die Gattung erodiert gleichermaßen in den dritten Programmen (15 gegenüber 633), und im ZDF fiel die Zahl solcher Filme im untersuchten Zeitraum von 37 auf zehn." Leider hat Wiegand nicht weiter nachgebohrt, angeblich wollen die Sender mit ihren Produktionen "so präzise wie möglich den aktuellen Publikumsgeschmack zu treffen".

Aber auch die Streamingdienste ineressieren sich nicht fürs Filmsterben, stellt Nicolas Freund in einem zweiten Artikel in der SZ klar, sondern über ihre Algorithmen für Masse und Aufmerksamkeit: "Natürlich werben die Dienste nicht mit dem Schund. Geworben wird damit, ein umfassendes Filmprogramm anzubieten. Von Alfred Hitchcock bis Ingmar Bergman. Tatsächlich aber ist im Gesamtangebot der beiden größten Streaming-Anbieter nur je ein einziger Hitchcock und ein einziger Bergman zu finden. Die Streamingdienste bieten nur oberflächlich einen umfassenden Filmkanon, denn Klassiker sind nicht entscheidend, um Abonnenten zu gewinnen und zu halten."

Nhi Le fragt in der taz, ob es ein Zuviel an hysterisierenden Talkshows gibt, die nicht einmal wissen, was Framing bedeutet: "Das sieht inzwischen auch der Deutsche Kulturrat so. Der Geschäftsführer des Dachverbands, Olaf Zimmermann, regte vergangene Woche sogar an, die 'Talkshows im Ersten und im ZDF sollten sich eine einjährige Auszeit nehmen und ihre Konzeptionen überarbeiten'. 2015 begannen die Talkshows, die Themen Flucht, Terror und Islam vermehrt aufzugreifen. Von insgesamt 139 Sendungen Anne Will, Maybrit Illner, Maischberger und hart aber fair im Jahr 2015 drehten sich 50 um diese Schlagwörter, mit Titeln wie 'Der Hass und die Folgen - spaltet der Terror das Abendland?' oder 'Religiös verblendet, politisch verirrt: Gefährden Radikale unsere Gesellschaft?'."

Weiteres: Bei Übermedien zerpflückt Stefan Niggemeier die Rede von Springer-Chef Mathias Döpfner, der bei seinem Lobbying für ein schärferes Leistungsschutzrecht Facebook und Google vorwirft, die Artikel der Zeitungen zu kopieren, aus dem Kontext zu nehmen und für sich zu verwerten. Bereits vor zwei Tagen meldete Le Monde, dass Buzzfeed seinen französischen Ableger dichtmacht und sämtliche Mitarbeiter entlässt. Axel Weidemann blickt in der FAZ nach Thüringen, wo im April in Fretterode zwei Journalisten von Neonazis brutal zusammengeschlagen wurden, die Ermittlungen sich jedoch allzu schleppend hinziehen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.06.2018 - Medien

Inzwischen gibt es eine Diskussion darüber, ob die Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen zu oft die Themen der AfD diskutieren. Mag sein, dass AfD-Politiker bei den privaten Firmen, die diese Talkshows im Auftrag der Sender produzieren, einen kommerziellen Kitzel auslösen, schreibt Thierry Chervel in der Welt, aber die Probleme liegen tiefer, etwa in der Proporz-Dramaturgie der "Tagesschau": "Ich meine das Aufsagen von Reaktionen. Verkündet die Regierung eine Entscheidung, äußert ein Minister eine Absicht, unterläuft der Kanzlerin ein Fehler, dann wird nach der Logik der 'Tagesschau' tendenziell jede Partei im Bundestag nach ihrer Einschätzung befragt. Das macht die Nachrichten in Deutschland immer öder, denn anders als einst haben wir es heute mit sieben Parteien im Bundestag zu tun. Und der AfD gebührt als größter Oppositionspartei nach dem staatlich beauftragten Neutralitätsgebot im Prinzip immer die erste und längste Äußerung... Nichts lässt die AfD stärker als Teil des seriösen politischen Spiels erscheinen als die stete höfliche Nachfrage, was sie denn vom Dieselverbot, von neuer Windkraftförderung oder einer Äußerung des Außenministers halte."