9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.05.2019 - Medien

Vor etwa einem Jahr kursierten Berichte über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), wo vor allem in der Bremer Ausßenstelle Asylanträge durchgewunken worden seien. Ein Verbund Radio Bremen, NDR und Süddeutsche Zeitung stand hinter der Recherche. Auch Spiegel, Spiegel online, Zeit und Zeit online stiegen auf das Thema groß ein. Die Vorwürfe brachen großteils zusammen (unsere Resümees), dennoch ermittelt die Staatsanwaltschaft noch. Anne Fromm fragt in der taz, ob es sich um einen Medienskandal handele. Aber alle beteiligten Medien beteuern, nichts falsch gemacht zu haben. "Als sich das im September 2018 bestätigte und das Bamf einräumte, dass 'flächendeckender Asylbetrug' in Bremen nicht erkennbar sei, berichteten das alle Medien, allerdings meist deutlich kleiner als beim Anfangsverdacht. Von 'Skandal' sprach zu dieser Zeit kaum noch ein Berichterstatter - über eventuelle Fehleinschätzungen in der eigenen Recherche allerdings auch nicht."
Stichwörter: Bamf, Medienskandale

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.05.2019 - Medien

Staatsgeld für private Fernsehsender fordert Conrad Albert, Vorstand von Pro7/Sat1, berichtet in der FAZ Henning Peitsmeier und zitiert Albert: "'Um es klar zu sagen: Es geht mir nicht um neue Gebühren oder Steuern. Wir als Privatunternehmen wollen auch nichts von den 8 Milliarden Euro Gebührengeldern, die ARD und ZDF erhalten. Private Contentanbieter wie Fernsehunternehmen oder Hörfunksender sollten sich mit ihren Public-Value-Formaten bewerben können, so wie bei der deutschen Filmförderung oder der Journalismus-Stiftung in Nordrhein-Westfalen.' Der Fonds sollte mit einer Summe zwischen 50 und 100 Millionen Euro im Jahr ausgestattet sein. Das, meint Albert, sei günstig für den Mehrwert, den eine meinungsplurale Gesellschaft dafür erhalte."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.05.2019 - Medien

Ein ziemlich frecher Text der SZ-Onlinechefin Julia Bönisch im Branchenmagazin Journalist hat ziemlich viel Aufsehen erregt (unser Resümee). Sie fordert darin eine Aufhebung der Trennung von Redaktion und Verlag und Managerqualitäten bei Redakteuren - inzwischen hat sie sich nach Aufruhr in der SZ für einige Passagen entschuldigt. Anne Fromm schildert in der taz Hintergründe, zu denen vor allem die jetzt auch in der SZ betriebene Fusion von Print und Online gehört: "Die Fusion ist nicht nur publizistisch, sondern auch arbeitsrechtlich schwierig: Print und Online-Redaktion der SZ sind, wie in vielen Medien, zwei verschiedene Gesellschaften. Die Printler haben bessere Arbeitsbedingungen als die Onliner, sind tarifgebunden, müssen vertraglich weniger arbeiten und werden im Schnitt besser bezahlt. Wenn beide künftig nebeneinander an den selben Produkten arbeiten, wirft das Gerechtigkeitsfragen auf."

Große Aufregung löst in den sozialen Medien der Hashtag #twittersperre aus. Twitter hat etwa das Konto der Jüdischen Allgemeinen gesperrt, weil diese völlig unverfänglich auf einen Artikel hinweis, der erklärte "warum Israels Botschafter Jeremy Issacharoff auf Gespräche und Treffen mit der AfD verzichtet". Hier der Bericht der JA und der Kommentar des Online-Chefs der Zeitung, Philipp Peyman Engel: "Dass Twitter antisemitische Hasstweets duldet, aber Nachrichten der einzigen jüdischen Wochenzeitung Deutschlands sperrt, ist für uns absolut unverständlich."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.05.2019 - Medien

Sven Hansen würdigt in der taz die afghanische TV-Moderatorin Mena Mangal, die in Kabul auf offener Straße erschossen wurde. Sie hatte vorher über Bedrohungen berichtet: "Sie war stark in den sozialen Netzwerken aktiv, wo sie für Bildung und Berufstätigkeit von Mädchen und Frauen argumentierte. Sie machte auch öffentlich, dass sie 2017 von ihren Eltern gegen ihren eigenen Willen verheiratet worden war. Erst kürzlich, Anfang Mai, war es ihr gelungen, endlich ihre Scheidung abzuschließen."

Die taz veröffentlicht außerdem den Text, in dem die jüngst erschossene nordirische Journalistin Lyra McKee über erstmals über ihr Coming Out schrieb.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.05.2019 - Medien

Im Interview mit Felix Simon in der NZZ kennt der frühere Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger auch keinen schnellen Weg aus der Krise der Medien. Aber er weiß, dass der Bedeutungsverlust der Zeitung nicht nur ökonomische Ursachen hat: "Der wirtschaftliche Aspekt ist offensichtlich der dringlichste. Wir sehen uns mit einem sehr komplizierten Bild konfrontiert, und es wird kein einziges Modell geben, das für jedes Medienhaus funktioniert. Die wirtschaftliche Bedrohung hängt mit der Frage zusammen, ob die Menschen dem Journalismus noch vertrauen. Warum wollten Menschen bisher informiert sein? Weil ihnen dies half, eine bessere Gesellschaft zu schaffen. Aber glauben die Leute das immer noch? Oder fühlen sich die Menschen machtlos? Es gibt mittlerweile so viele Gründe, warum der Journalismus kriselt. Und es wird eine Menge gedanklicher Arbeit erfordern, um all dies anzugehen. Wir haben bisher viel zu wenig darüber nachgedacht, was die Öffentlichkeit eigentlich von uns erwartet."

In der deutschen Mediencommunity wurde dagegen einem Artikel von SZ-Onlinechefin Julia Bönisch im Journalist applaudiert, der sehr clever, aber vielleicht auch ein bisschen höhnisch die effiziente Taktung von Redaktionen in ein feministisches Projekt ummünzt: "Für manche Kolleginnen und Kollegen in der Branche bin ich ein Affront. Frau, Onlinerin, noch keine 40 - damit stehe ich für fast alles, was unbequem und lästig ist: für Veränderung, für Digitalisierung, für einen Generationenwechsel, der auch Frauen an die Spitze bringt. Das nervt viele, und das kann ich verstehen. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre ein Journalist, Mitte 50, und würde jetzt bemerken, dass vieles von dem, was ich kann und weiß, nicht mehr wichtig ist: Ja, das wäre unangenehm." Dabei hat ihr Projekt wenig mit Gleichstellung zu tun: "Die Redaktionsleitung, die sich ausschließlich über Inhalte definiert, gehört zunehmend der Vergangenheit an. Stattdessen tritt eine neue Generation in die erste Reihe, die sich viel mehr als Manager und Produktchef definiert, die nicht mehr nur in Formaten und Texten, sondern in Workflows und Prozessen denkt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.05.2019 - Medien

15 Millionen Euro hat Gabor Steingart von Springer für sein Morning Briefing abgezockt, dessen Geschäftsmodell unklar ist, berichtet zu Recht bewundernd Caspar Busse in der SZ, 1,6 Millionen Euro hat Steingart überdies aus eigenem Vermögen in sein Startup gesteckt: "Auch äußerlich will man sich von anderen Medienunternehmen deutlich unterscheiden. Herzstück soll ein Schiff werden, 40 Meter lang und sieben Meter breit, das bereits geplant ist und nun gebaut werden soll. Mit Elektroantrieb soll es von 2020 an auf der Spree unterwegs sein und eine Plattform für Gespräche mit Lesern und Nutzern sein, ausgestattet mit Newsroom, Tonstudio und Veranstaltungsbereich."

So kann man auch Zeitung machen, staunt Stefan Niggemeier bei den Uebermedien: "Die Welt ist gestern als Volkswagen-Welt erschienen. Sie ist nicht in irgendeiner Weise als Anzeige gekennzeichnet, aber sie besteht im Wesentlichen aus VW-PR, unterbrochen von VW-Werbung, Porsche-Werbung, Audi-Werbung, Seat-Werbung und Skoda-Werbung. Für einen Tag hat das Blatt den VW-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess zum Co-Chefredakteur gemacht, sogar richtig mit Eintrag im Impressum."

Außerdem: Lorenz Matzat fragt sich in seinem Medium-Blog, was es mit dem "Journalismus der Dinge" auf sich haben soll, der auf der re:publica von einigen Autoren gefordert wurde.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.05.2019 - Medien

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind ein gigantischer Apparat und entsprechen in ihrer Größe dem gesamten deutschen Kulturbetrieb. Die Rundfunkräte aber sind zahnlose Tiger, die den Strukturen, Apparaten und Intendanten kaum ein Gegengewicht bieten können. Der Medienwissenschaftler Hermann Rotermund fordert statt der Ernennung institutionennaher Rundfunkräte in der FAZ: "direkte Listenwahl der Rundfunkräte durch die beitragszahlenden Haushalte bei Ausschluss politischer Listen. Dafür kann eine modernisierte Variante der Sozialwahlen angewandt werden. Jeder Haushalt erhält vom Beitragsservice TANs und gibt seine Stimme mit Hilfe einer App oder auf einer Website ab. Der Gesetzgeber stellt Kriterien für die Zulassung von Listen auf. Die Rundfunkräte werden auf 30 bis 35 Mitglieder reduziert - aktuell sind es bis zu 74. Die Aufwandsentschädigungen, zurzeit auf Bafög-Niveau, werden erhöht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.05.2019 - Medien

Die beiden Reuters-Journalisten Wa Lone, 33, und Kyaw Soe Oo, 29, die zu einem Massaker im Rahmen der Vertreibung der Rohingya recherchiert hatten und dafür ins Gefängnis gesteclte worden waren (unser Resümee vom September letzten Jahres), sind im Zug einer Generalamnestie as dem Gefängnis entlassen worden, melden Simon Lewis und Shoon Naing bei der Presseagentur: "Die Frauen der Reporter hatten im April einen Brief an de Regierung mit Bitte um Begnadigung geschickt, naicht, wie sie sagen, weil sie irgendetwas Falsches getan hätten, sondern weil es ihnen erlauben würde, zu ihren Familien zurückzukehren."
Stichwörter: Myanmar, Rohingya, Reuters

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.05.2019 - Medien

Der Enthüllungsjournalist Vadim Komarow aus der ostukrainischen Stadt Tscherkassk liegt im Koma, nachdem er mit einer Metallstange auf den Kopf geschlagen wurde. Er ist nicht der erste zu Korruption recherchierende ukrainische Jornalist, der in diesem Jahr attackiert wurde, berichtet Bernhard Clasen in der taz, der unter anderem mit dem Gewerschaftler Sergiy Tomilenko sprach: "Gerade die Straflosigkeit von Gewaltakten gegen Journalisten, so Tomilenko, sei ein Einschüchterungsversuch aller Journalisten. Eine Woche zuvor, am 27. April, war ein Brandanschlag auf das Auto von Wolodimir Pisozkij, Chefredakteur der Zeitung Zorja, in der Stadt Dnipro verübt worden. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2019, so die ukrainische Journalistengewerkschaft bei einer Pressekonferenz Anfang Mai, habe man 23 Gewaltakte gegen Journalisten dokumentiert."

Heute startet die re:publica, die mal als eine Art Messe und Podium der Netzöffentlichkeit startete und heute mehr von den Öffentlich-Rechtlichen dominiert wird, wenn man sich die Besetzung der Podien und teilweise die Themensetzung ansieht. Eröffnet wird das ganze hoch offiziell von Bundespräsidente Frank-Walter Steinmeier. Meedia gibt einen Überblick. Eines der Podien: "was kann der Journalismus dagegen tun und was heißt Relevanz in Zeiten von Donald Trump, Matteo Salvini und Heinz-Christian Strache überhaupt noch? Um das zu diskutieren, kommt eine hochkarätige vierköpfige Runde zusammen: 'Monitor'-Redaktionsleiter Georg Restle, ZDF-Journalistin Marietta Slomka, Falter-Chefredakteur Florian Klenk und Digitaljournalistin Vanessa Vu."  Auch Sascha Lobo wird wie jedes Jahr eine Rede halten.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.05.2019 - Medien

"Dr. Deutsch" betrachtet bei den Salonkolumnisten nochmal den von der FPÖ angestachelten Skandal um den ORF-Anchorman Armin Wolf, der einen FPÖ-Politiker kritisch befragt hatte - und untersucht nebenbei die FPÖ-Argumente gegen öffentlich-rechtliche Medien: "Es gibt nachvollziehbare Vorbehalte sowohl gegen die Ausstattung als auch die Gebührenlogik öffentlich-rechtlicher Anstalten, die im Internet beispielsweise zu einem unlauteren Wettbewerb zu Ungunsten der freien Presse führt. Das Beispiel Österreich zeigt allerdings, wie wichtig es ist, sensibel bei der Wahl der Argumente zu sein. Die lautesten Gegner jeder Form des angeblichen 'Staatsfunks' sind oft diejenigen, die sich dann, wenn sie an der Macht sind, unkritische Regierungsmedien bauen - also echten Staatsfunk."

Die AfD inspiriert die Mainstream-Parteien. Nicht nur entwickelt man einen Populismus für die je eigene Klientel - ostentativer Katholizismus bei der CDU, Kevin Kühnerts Äußerungen bei der SPD -, man will auch aus der Kommunikationsstrategie der AfD lernen und entwickelt fleißig eigene Newsrooms, berichtet der Tagesspiegel. Dabei hat das vor einem Jahr groß annoncierte Newsroom-Projekt der AfD nicht mal funktioniert: "Die AfD hat ihre Newsroom-Ankündigung geschickt vermarktet, aber so viel verändert hat sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit seitdem nicht. Ursprünglich sollte der Newsroom Unter den Linden Platz finden, in einem aus drei kleineren Zimmern verbundenen großen Raum - dort sitzt aber offenbar bis heute kaum jemand." Allerdings: "In den sozialen Medien hat die AfD schon länger eine Vormachtstellung, was geteilte Beiträge und Erwähnungen betrifft. Zudem arbeitet die AfD-Fraktion daran, rechte, ihr wohlgesonnene Blogger noch schneller mit Informationen zu versorgen."