9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.04.2020 - Medien

Der Spiegel plant wegen der Corona-Krise und des zu erwartenden Einbruchs bei den Anzeigen Kurzarbeit, berichtet Gregory Lipinski bei Meedia. Um die Kosten zu senken, prüfen Chefredakteur Steffen Klusmann und Verlagschef Thomas Hass "aber wohl auch Arbeitsplätze abzubauen. Sie erwägen nach Meedia-Informationen, Mitarbeiter in den Vorruhestand zu schicken. Den Schritt könnten sie ihnen über geeignete Regelungen und attraktive Abfindungen schmackhaft machen, heißt es in Firmenkreisen. Eine Entscheidung hierzu ist aber nicht gefallen, da derzeit alles auf dem Prüfstand" stehe.

In Ungarn sind Notstandsverordnungen erlassen worden, die einer Diktatur ähneln. Journalisten fürchten, ins Gefängnis gesteckt oder mit Klagen in die Pleite getrieben zu werden, wenn sie zu Corona recherchieren, berichtet Shaun Walker im Guardian. Die Regierung beteuere zwar, dass sie so "Desinformation" bekämpfen wolle: "Aber die Regierung hat wenig getan, um klarzumachen, dass dies nicht auch für unabhängige Journalisten gilt, zumal sie ihnen häufig vorwirft, im Rahmen eines politischen Rachefeldzuges gegen Orbán Fehlinformationen zu verbreiten. In einer Telefonkonferenz mit ausländischen Reportern sagte Ungarns Justizministerin Judit Varga letzte Woche, die gesetzliche Regelung sei 'sowohl angemessen als auch notwendig, um böswillige Desinformationskampagnen zu bekämpfen'. Sie betonte, dass die Bestimmung für alle, auch für Journalisten, gelte."
Stichwörter: Spiegel, Ungarn, Corona-Krise

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.04.2020 - Medien

Im SZ-Interview mit Stefan Fischer erklärt Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt, weshalb sich das Land bisher bei der Entscheidung zur Erhöhung des Rundfunkbeitrags enthalten hat: "Wenn die Anstalten so wirtschaften wie bisher, steht uns Mitte der 2020er-Jahre abermals eine Beitragserhöhung erheblichen Ausmaßes ins Haus. Deshalb brauchen wir jetzt von den Anstalten verbindliche Zusagen, dass sie allen Hinweisen der KEF auf Einsparpotenziale und Wirtschaftlichkeitsreserven nachgehen und die Empfehlungen umsetzen. Bisher liegen noch keine zufriedenstellenden Erklärungen vor. Speziell für die ostdeutschen Länder fordern wir bei den Tochterunternehmen der Anstalten eine angemessene Berücksichtigung, und auch das seit Jahren ohne große Resonanz."
Stichwörter: Rundfunkgebühren

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.04.2020 - Medien

Steffen Grimberg schildert in der taz die paradoxe Lage der Medien in der Corona-Krise: "Die Online-Nutzung, zum Beispiel von Zeitungen im Netz, steigt. Wer aber erwartet, dass die Einnahmen aus der Online-Werbung auch nur ansatzweise Schritt halten, glaubt wahrscheinlich auch, das Corona planmäßig mit Ende der Osterferien vorbei ist. Denn tatsächlich gehen die Einnahmen zurück. Erstens, weil wegen des gesellschaftlichen Shutdowns gar nicht mehr so viel geworben wird. Und zweitens wollen die, die noch werben, ihre Anzeigen ungern direkt im Umfeld von Hiobsbotschaften rund um Corona sehen."

Sandro Schroeder bespricht für die Übermedien Podcasts und erklärt in der jüngsten Ausgabe, warum er Probleme mit dem Genre der "True-Crime"-Podcasts hat.
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Stichwörter: Podcasts, Corona-Krise

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.03.2020 - Medien

Die Rundfunkräte der öffentlich-rechtlichen Sender sollten um einiges transparenter werden, meint der Medienwissenschaftler Leonhard Dobusch, der selbst im Fernsehrat des ZDF sitzt und schließt sich in Netzpolitik einem Papier des DGB (hier als PDF-Dokument) zum Thema an. Das trifft besonders auch den Bereich der Beteiligungen von Sendern an privatwirtschaftlichen Betrieben: "Obwohl Unternehmen wie ZDF Enterprises oder ZDF Digital zunehmend wichtiger für die Angebote öffentlich-rechtlicher Anstalten werden, spielen sie im Alltag der Rundfunkaufsicht kaum eine Rolle. Damit zusammen hängt auch mangelnde Transparenz bei Tarifstrukturen, die nicht alle Beteiligungen in gleicher Weise erfasst."

Auch in amerikanischen Medien wird die Corona-Krise spürbar - erste Journalisten werden entlassen, Free Lancer stehen ohne Krankenversicherung da, berichtet Kerry Flynn in CNN Business.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.03.2020 - Medien

Die deutschen Zeitungen freuen sich derweil über den sprunghaften Anstieg ihrer digitalen Ausgaben, meldet Markus Ehrenberg im Tagesspiegel: "In der Krise suchen Menschen nach Orientierung und verlässlichen Informationen. Vertrauenswürdige Nachrichtenmedien wie die Zeitungen sind in der aktuellen Corona-Krisensituation daher wichtiger denn je - und ihre digitalen Inhalte werden stärker nachgefragt denn je. Das zeigen die aktuellen Nutzungszahlen, die der BDZV (Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger) am Dienstag vorlegte. Demnach sind die digitalen Reichweiten der Zeitungen sprunghaft um bis zu 65 Prozent angestiegen, seit das Coronavirus das Leben und die Nachrichtenlage beherrscht."

Die Freude könnte allerdings nicht von Dauer sein, fürchtet Christian Meier in der Welt. Denn Werbung werde zugleich immer weniger: "Schließlich werden Konsumentscheidungen in Krisenzeiten von den Verbrauchern verschoben - und dann braucht es auch letztlich keine oder zumindest weniger Werbung. Die Unternehmen selbst reduzieren gleichzeitig ihre Ausgaben und streichen dann häufig zuerst Marketingkosten."

(Via Meedia) Für amerikanische Medien ist das Coronavirus schon jetzt eine tödliche Bedrohung, schreibt Craig Silverman bei buzzfeednews.com: "Eine grausame Ironie der Pandemie... besteht darin, dass Journalisten zwar eine wesentliche Arbeit machen, das Geschäft des Journalismus aber zugleich vom Aussterben bedroht ist. 'Praktisch alle Werbung für Unterhaltungsangebote ist verschwunden, Restaurants sind verschwunden. Auch bei der Automobilwerbung zeigen sich Anzeichen', sagte Alan Fisco, der Geschäftsführerder Zeitung, gegenüber BuzzFeed News."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.03.2020 - Medien

Jan Feddersen gratuliert in der taz dem "wichtigsten 'Kulturmagazin' im Online-Bereich" zum 20. Geburtstag, dem Perlentaucher - "aber was heißt hier 'das wichtigste': Es gibt ja kein anderes." (Wir erröten sanft über die schmeichelhafte Übertreibung!)
Stichwörter: Perlentaucher

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.03.2020 - Medien

Andreas Schürer, stellvertretender Chefredakteur der NZZ, erteilt Forderungen, die Bezahlschranken abzuschaffen, eine klare Absage, selbst wenn sie so gewitzt daher kommen wie Jan Böhmermanns "Tear down the fucking paywalls now!": "Da muss die Branche, da müssen vor allem unabhängige Qualitätstitel dagegenhalten, entschieden und selbstbewusst. Sie sind nämlich auf gutem Weg, im digitalen Transformationsprozess einen entscheidenden Schritt vorwärtszukommen: Tausende Nutzerinnen und Nutzer zeigen Kaufbereitschaft, zahlen für unabhängigen Qualitätsjournalismus. Das war schon vor der Corona-Krise so, aber es verstärkt sich nun merklich. Es wäre ein fataler Fehler, Inhalte jetzt wieder gratis abzugeben, auch nur punktuell. Stattdessen sollte das Motto lauten: Jetzt ziehen wir das durch, zum Wohle aller."

Willi Winkler beerdigt in der SZ den Playboy, der in der Corona-Krise vollends obsolet geworden ist und in den USA seine gedruckte Ausgabe einstellt.
Stichwörter: Paywalls, Corona-Krise, Corona

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.03.2020 - Medien

In Zeiten der Krise werden die Medien nicht müde zu betonen, wie toll es ist, dass man sich bei ihnen seriös informieren kann. Aber Georg Diez ist in dem Blog Ping eher skeptisch - etwa mit Blick auf die Kommunikation des Virologen Christian Drosten: "Auch Drosten kommuniziert sehr viel und sehr effektiv über Twitter, die Zahl seiner Follower ist explodiert, und für alle, die sich über den aktuellen Stand der Corona-Situation in Deutschland informieren wollen, macht es absolut keinen Sinn, darauf zu warten, was Journalist*innen vermelden, wenn sie sich direkt und dauernd bei Drosten den neusten Nachrichtenstand holen können. Bei ihm ist eine Verlässlichkeit und ein Vertrauen gegeben, das den traditionellen Medien, manchmal aus gutem Grund, inzwischen abgeht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.03.2020 - Medien

China weist die Journalisten der New York Times, der Washington Post und des Wall Street Journal aus, meldet unter anderem Meedia in einem dpa-Ticker. Die Journalisten sollen ihre Pressekarten binnen zehn Tagen abgeben. Das amerikanische Außenministerium und die Zeitungen protestieren scharf: "Das Wall Street Journal sprach von einem 'Angriff auf die Pressefreiheit', der zur Zeit einer globalen Krise passiere. Chefredakteur Matt Murray erklärte: 'Vertrauenswürdige Nachrichten aus und über China waren nie wichtiger.' Auch der Chef der Washington Post, Marty Barron, erklärte, Chinas Vorgehen im gegenwärtigen Kontext werde 'die Lage nur verschlimmern'."

China reagiert mit der Maßnahme auf eine Begrenzung der Zahl der Mitarbeiter von chinesischen Staatsmedien in den USA durch die Trump-Regierung, erläutert die New York Times in einem Editoral. Aber die Redaktion der Times stimmt in diesem Fall Außenminister Mike Pompeo zu, der sagte, man könne nicht Äpfel mit Birnen vergleichen: "Auch wenn westliche Medien aufgrund gegenseitiger Abkommen in einem autoritär regierten Land arbeiten, kann man diese Medien nicht mit Organisationen der kommunistischen Regimes vergleichen, weder in der alten Sowjetunion noch im heutigen China."
Stichwörter: China, Corona-Krise

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.03.2020 - Medien

Gergely Márton hat für die taz mit Redakteuren der gleichgeschalteten öffentlich-rechtlichen Sender in Ungarn gesprochen, die erzählen, dass sie nach strikten Vorgaben der Regierung berichten müssen: "Die Regeln widersprechen oft auch dem normalen Medienbetrieb. Sagt zum Beispiel ein deutscher Minister etwas Kritisches über Ungarn, wird darüber so lange nicht berichtet, bis ein Regierungsvertreter in Budapest alles zurückgewiesen hat. Und wenn endlich die Replik aufgenommen ist, dann wird der Beitrag in umgekehrter Reihenfolge geschnitten: Erst kommt die ungarische Richtigstellung, dann die deutsche Kritik."