9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Medien

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.05.2021 - Medien

Die Idee einer ausschließlich auf Printprodukte zugeschnittenen Presseförderung ist krachend gescheitert. Mit 220 Millionen Euro wollte die Bundesregierung ausschließlich Zeitungen und Anzeigenblätter fördern (unsere Resümees). Nun stellt Steffen Grimberg in der taz einen Alternativentwurf der Grünen vor. Medien aller Mediengattungen sollen in den Genuss der Subventionen kommen können: "Reine Einzelkämpfer*innenmodelle sollen ausgeschlossen sein. Das Gutachten schlägt vor, nur solche Angebote zu berücksichtigen, die mindestens Personal in Größenordnungen von zwei vollen Stellen haben, auch wenn die auf mehrere Schultern verteilt sind. 'Das braucht es schon, wenn man das irgendwie Redaktion nennen will', so Leyla Dogruel bei der Gutachtenpräsentation. Wer gefördert wird, wie das Geld verteilt wird, das soll eine staatsferne, neutrale Organisation regeln."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.05.2021 - Medien

Volker Weidermann kündigt als Literaturchef beim Spiegel, wird den Schritt aber einigermaßen verkraften können, weil er am 1. Oktober als Feuilletonchef in der Zeit anfängt. Bei uebermedien veröffentlicht er eine eher vage Mail an sein Spiegel-KollegInnen, wo er beklagt, dass er beim Spiegel nicht glücklich gewesen sei: "Das silbern-glänzende Grundgesetz im Atrium 'Sagen, was ist', Augsteins Gesetz - das ist ganz einfach nicht für mich geschrieben worden. Ich komme eben aus der Literatur. Und da gilt nun mal: Sagen, was nicht ist. Sagen, was sonst noch so sein könnte. Sagen, wie es besser wäre. Sagen, was niemand sonst sich zu sagen traut. Einfach mal was anderes sagen…. Das sind so die Literatur-Gesetze. Ich habe hierfür zu wenig Raum für mich gefunden." Ambros Waibel kommentiert Weidermanns Schritt in der taz.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2021 - Medien

Der Tagesspiegel ringt sich für seine Berichterstattung über #allesdichtmachen mit spitzen Lippen eine Entschuldigung ab. So stellt sich heraus, dass keiner der vier Tagesspiegel-Autoren, die dazu rechercheriert haben, mit Paul Brandenburg gesprochen hat. Dem wurde vorgeworfen, er sei Mitinitiator des Projekts, was er dementiert. Bei den Recherchen "sind uns auch handwerkliche Fehler unterlaufen, für die wir um Entschuldigung bitten. Paul Brandenburg ist mehrfach in alternativen Medien aufgetreten, die auch Verbindungen zur Querdenker-Szene haben. Wir haben ihn mit Äußerungen aus diesen Auftritten zitiert und diese als 'antidemokratisch' bezeichnet. Dieser Begriff ist durch Brandenburgs Äußerungen nicht gedeckt. Online haben wir das korrigiert. Zudem haben wir Paul Brandenburg vor der Publikation nicht um eine Stellungnahme gebeten - eigentlich ein journalistisches Muss."

Helen Lewis, die selbst mindestens einen Substack-Newsletter abonniert hat, amüsiert sich in The Atlantic derzeit mehr über die Kriege zwischen den einzelnen Anbietern, als dass sie über deren Inhalte brütet: "Bei den Substack-Kriegen geht es angeblich um freie Meinungsäußerung und LGBTQ-Rechte, um 'woke madness' und 'cancel culture', aber ziemlich viele der Fehden bewegen sich auf dem Level von Richie, der sauer ist, dass Tony die Lederjacke, die er ihm geschenkt hat, nicht zu schätzen weiß. Einiges davon dreht sich um die ungleiche Verteilung von Geld und Aufmerksamkeit, und einige dieser Leute mögen sich einfach nicht."
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.05.2021 - Medien

Laut "einer Studie der dpa und der Hamburger Behörde für Kultur und Medien gaben über die Hälfte der Jugendlichen an, es nicht für wichtig zu halten, sich über traditionelle Medien zu informieren", weiß Linda Tutmann, die im Zeit-Online-Gespräch die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim (aktuelles Buch "Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit") dazu befragt: "Ich glaube, der traditionelle Journalismus hat ein Arroganzproblem - sie setzen für viele ihrer Inhalte und auch für ihre Sprache eine gewisse Bildung voraus, von der sich viele Jugendliche nicht abgeholt fühlen. Ein Beispiel ist Rezo. Auch bei der Diskussion um ihn schwingt immer eine gewisse akademische Arroganz mit. Wenn Rezo 'worken' sagt in seinem Video statt arbeiten, dann erreicht er damit seine Zielgruppe - und das zählt. Die beste Sprache ist die, die ankommt. Über die neuen Medien wird bei den traditionellen öfter mal die Nase gerümpft, aber man sollte sich zumindest der Diskussion stellen: Was bedeutet Journalismus in der Zukunft?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.05.2021 - Medien

Wenn alle Altvorderen tot sind, tut es nicht mehr so weh, die Vergangenheit zu bewältigen. Die Zeit bringt einen ausführlichen Artikel über Nazi-Verstrickungen ihrer frühen Redakteure. Die meisten kennt man allerdings nicht mal mehr dem Namen nach. Aber auch Marion Gräfin Dönhoff, eine der Kultfiguren des Blattes und stets dem Widerstand zugerechnet, steht in dem von Christian Staas recherchierten Artikel nicht blendend da - manche Nazikollegen (inklusive ihrem strammen Nazi-Bruder Christoph Dönhoff) hat sie gestützt: "Partei ergriff Marion Dönhoff außerdem für einen der Angeklagten im Nürnberger Wilhelmstraßen-Prozess: Joachim von Ribbentrops Staatssekretär Ernst von Weizsäcker, einen jener 'Herren, die zwölf Jahre gegen Hitler gefrühstückt haben', wie Hans-Georg von Studnitz einmal gespottet hat. Dass Weizsäcker, der die Deportation der französischen Juden abgesegnet hatte, stets Schlimmeres habe verhindern wollen, ja eine Art Widerstandskämpfer gewesen sei und nicht geahnt habe, was mit den Deportierten geschah - diese Legende pflegte Dönhoff Seit' an Seit' mit Richard Tüngel. (...) Wo sie persönlich befangen war, störte sich Marion Dönhoff offensichtlich nicht an NS-Verstrickungen oder verbrämte sie als stille Opposition." Studnitz und Tüngel sind zentrale Figuren aus den frühesten Jahren der Zeit-Redaktion.
Stichwörter: Die Zeit

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.05.2021 - Medien

Zeitungen machen sich große Sorgen um die Newsletter-Plattform Substack, die es Journalisten erlaubt, ihre eigene zahlende Gefolgschaft aufzubauen. Einige CharismatikerInnen unter ihnen hat Substack mit sechsstelligen Vorschüssen gelockt, erzählt James Ball im Guardian - und sie verdienen, wie Glenn Greenwald neulich jubelte (unser Resümee), mehr Geld als je in ihrem Leben, "aber es kommen Bedenken auf, was Substack nun genau ist. Ist es eine Plattform für das Hosting von Newslettern und hilft den Leuten, sie zu entdecken? Oder ist es eine neue Art von Publikation, die sich darauf verlässt, Kulturkriege zu schüren, um spalterischen Autoren zu helfen, eine treue Anhängerschaft aufzubauen?"
Stichwörter: Substack

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.04.2021 - Medien

Michael Hanfeld kommentiert in der FAZ den schmählich zurückgezogenen Plan der Regierung für eine Subvention der Presse, und zwar nur der Presse, der von den Verbänden als schockierend und unverständlich kritisiert wurde (unsere Resümees): "Unverständlich ist jedoch vor allem, warum Ministerium und Verlage nicht daran gedacht haben, dass eine staatliche Digitalisierungshilfe, die nur Druckverlagen zugutekommt, nicht aber Digitalpublizisten, den Wettbewerb verzerrt und deshalb verfassungswidrig ist. Darauf mussten wohl erst der Arbeitskreis Digitale Medien und das Crowdfunding-Portal Krautreporter hinweisen, das mit einem juristischen Gutachten aufwartete und mit Verfassungsklage drohte."
Stichwörter: Presseförderung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.04.2021 - Medien

Immer mehr Journalisten verlassen ihren Beruf, konstatieren  Philipp Albrecht und Dennis Bühler in republik.ch in einer längeren Recherche zumindest für die Schweiz: "Journalismus ist nicht mehr der Traumjob von einst. Vor zehn Jahren noch drängten mehr junge Menschen in den Beruf, als Ausbildungsstätten und Redaktionen aufnehmen konnten. Heute ist das anders: Die großen Redaktionen haben Mühe, fähigen Nachwuchs zu finden. An den Journalistenschulen schrumpfen die Jahrgänge."

Ende letzten Jahres hatte die Bundesregierung der Printpresse (aber nicht anderen Mediengattungen) 220 Millionen Euro Subventionen versprochen, um ihr Geschäftsmodell abzustützen (mehr hier). Dass diese Förderung nun erstmal gestoppt ist, wurde gestern bekannt (unser Resümee). In der taz berichtet Erica Zingher über Reaktionen: "Die Verlegerverbände, die weiterhin vor allem klassische Printverlage vertreten, nennen das vorläufige Scheitern des Programms hingegen 'schockierend'… Zuletzt habe das Wirtschaftsministerium eine Umwidmung der Haushaltsmittel in eine Coronasoforthilfe für die Verlage vorgeschlagen. 'Unverständlich' sei, warum der Haushaltsausschuss dem Vorschlag nicht gefolgt sei." Wo man so ein schönes neues Etikett gefunden hatte.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.04.2021 - Medien

Einen "guten Tag für die Pressefreiheit" feiern die Krautreporter - und die Nachricht, dass die Bundesregierung die geplante Presseförderung gekippt hat: "Die Bundesregierung wollte Druckverlage noch vor der Bundestagswahl mit insgesamt 220 Millionen Euro fördern. Digitale, unabhängige Medien wie Krautreporter sollten nichts bekommen. Dagegen sind wir vor etwa drei Wochen rechtlich vorgegangen, weil die geplante Presseförderung nach unserer Auffassung eklatant verfassungswidrig gewesen wäre... Wir waren nach Beratung durch unsere Anwälte sicher, dass es der im Grundgesetz garantierten Pressefreiheit widersprechen würde, einige Medien zu fördern, andere dagegen nicht."

Weiteres: Auf SpiegelOnline berichtet Max Hoppenstedt, wie und warum Renate Künast weiter rechtlich gegen Facebook vorgeht.
Stichwörter: Presseförderung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.04.2021 - Medien

Überall soll die Presse subventioniert werden, auch in Slowenien, über dessen rechtspopulistische Medienpolitik Erich Rathfelder in der taz berichtet. Nach Gesprächen mit Kollegen schreibt er: "Der politische Druck der Regierung auf die Medien sei nur möglich und erfolgreich, weil die Medien ohnehin, wie überall in Europa, in finanziellen Schwierigkeiten und damit in einer Krise steckten... Kleinere Medien würden finanziell unterstützt und so gefügig gemacht, die größeren in ihrer Arbeit behindert oder von der Spitze her verändert. So setzte die Regierung im Januar 2021 einen Wechsel an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Fernsehens RTV Slovenija durch. Der neue Intendant Andrej Grah Whatmough gilt als regierungsfreundlich."

In der FAZ wird seit einigen Wochen eine Reihe zur Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen veranstaltet. Heute fordert die Grünen-Politikerin Tabea Rößner eine Debatte über Sinn und Zweck der Sender: "Die Medienpolitik hat vermieden, den bisherigen Auftrag unter publizistischen Gesichtspunkten neu zu justieren. Stattdessen wurde alles durch die Brille der Beitragsstabilität betrachtet. Da aber die Finanzierung der Anstalten dem Auftrag zu folgen hat, muss die Debatte zunächst am Auftrag der Rundfunkanstalten ansetzen."

Außerdem: Apple möchte die Welt ganz allein beherrschen und über seinen App-Store 30 Prozent von allem abkriegen. Andere Geldflüsse möchte der Konzern lieber unterbinden, und darum will er bei seinen Iphones die Kennung des Geräts (IDFA) eigens von den Benutzern freischalten lassen. So könnte man sie nicht mehr mit Werbung verfolgen. Dagegen protestieren nun die Zeitungs und Medienverbände, die den Plattformen vorwerfen, Datenkraken zu sein, aber selbst ihre Nutzer nach Kräften tracken, berichtet etwa Meedia. Zu den Verbänden, die klagen, gehören unter anderem die Zeitungs- und Zeitschriftenverlegerverbände BDZW und VDZ.