A. F. Th. van der Heijden

Das Biest

Roman
Cover: Das Biest
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783518425558
Gebunden, 303 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. Knallgelb ist das Staubtuch, das Tante Tiny stets mit sich führt, um es bei Bedarf blitzschnell und ungeniert zu zücken - gern auch, wenn sie bei anderen zu Gast ist. Tientje Putz nennt man sie in der Familie, vorsichtshalber jedoch nur hinter ihrem Rücken. Denn so weich ihr Staubtuch ist, so scharf und verletzend kann ihre Zunge sein, mit der sie über Leichen geht. Ihr Neffe Albert Egberts verfolgt das Treiben seiner jungen, attraktiven Tante aus nächster Nähe, befremdet und gleichzeitig fasziniert. Es dauert Jahre, bis er entdeckt, was sie ein Leben lang antreibt, was in stillschweigender familiärer Übereinkunft geheim gehalten wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2016

Zwei niederländische Romane, die einiges gemeinsam haben, stellt Volker Breidecker vor: Jeroen Brouwers' "Das Holz" und A.F.Th. van der Heijdens "Das Biest". Beide handeln von sexuellem Missbrauch und seinen Folgen, beide spießen das engherzige katholische Milieu der niederländischen Nachkriegsgesellschaft auf, beide pflegen einen flamboyanten spätbarocken Stil und beide sind glänzend übersetzt, so Breidecker. Van der Heijdens "Das Biest" erzählt von einer unwahrscheinlich bösartigen Frau, die als Kind vergewaltigt wurde. Ein Schwangerschaftsabbruch ließ das Mädchen seelisch verkrüppelt und unfruchtbar zurück. Die saftige und körperliche Sprache des Autors lässt Breidecker hilflos in ein "familiäres Schreckenskabinett" versinken. Die Wut der Protagonisten und ihres Erfinders scheint ihm fast die Sprache zu verschlagen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 15.10.2016

Richard Kämmerlings liest ein für A. F. Th. van der Heijdens Verhältnisse bescheidenes, zugängliches, wie es ihm scheint, mit konventionellen, "altmeisterlichen" Mitteln erzähltes Buch, die Lebensgeschichte der neurotischen, intriganten und mit einem dunklen Geheimnis behafteten Tante des Erzählers. Wie der Autor anhand einer faszinierend bösartigen Frauenfigur allerdings die niederländische Nachkriegsbigotterie dokumentiert und die Frage nach dem Ursprung und der Wirkung des Bösen stellt, findet Kämmerlings schlicht meisterhaft, weil im Ergebnis "beunruhigend" offen. Der Autor auf der Höhe seiner auf den ersten Blick ganz kunstlos wirkenden Kunst, meint Kämmerlings, der sich nach der Lektüre allerdings nach einem "scharfen Reiniger" sehnt.

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