Aus dem Niederländischen von Simone Schroth. Etty Hillesum ist mit ihren Tagebüchern und Briefen weltberühmt geworden. Freimütig berichtet sie darin von ihren Liebesbeziehungen, Lektüren und Träumen - und zu Herzen gehend von der Vernichtung der Juden. Aber wer war Etty Hillesum wirklich? Judith Koelemeijer erzählt auf der Grundlage zahlreicher bisher unbekannter Dokumente das viel zu kurze, intensive Leben der jungen Jüdin, die sich keine Grenzen setzen lassen wollte, nicht in der Liebe, nicht im Denken und auch nicht in ihrem Willen, das Schicksal ihres Volkes zu teilen. Die Tagebücher und Briefe Etty Hillesums sind so ungekünstelt und lebensnah geschrieben, dass sie als große Schriftstellerin lange verkannt wurde und das Bild von ihr ganz von diesen Selbstzeugnissen bestimmt wurde. Judith Koelemeijer hat auf Dachböden und in Kellern das Kriegstagebuch einer Freundin, Briefwechsel und weitere Quellen zum Leben Etty Hillesums aufgespürt. So entsteht das Porträt einer sinnlichen, spirituell und intellektuell hellwachen jungen Frau, die nach ihrem Studium in Amsterdam nicht als Juristin arbeiten konnte, die die russische Sprache und Literatur liebte, obwohl oder gerade weil ihre Mutter vor den Pogromen in Russland fliehen musste, die mit allen Fasern das Leben liebte und sich doch mit Händen und Füßen wehrte, als ihre Freunde sie in einem letzten, verzweifelten Versuch vor den Nationalsozialisten verstecken wollten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.02.2024
Rezensentin Gudrun Braunsperger liest Judith Koelemeijers Biografie der niederländischen Jüdin Etty Hillesum mit Faszination. Als kraftvolle Lebensgeschichte einer modernen jungen Frau erscheint ihr das auf genauen Recherchen, Zeitzeugenberichten und auf Hillesums Tagebüchern basierende Buch, dem die Autorin laut Braunsperger Tiefe und Komplexität zu verleihen weiß, indem sie über den Einfluss der Psychotherapie auf die junge Frau ebenso berichtet wie über die antijüdische Gewalt in ihrer Heimatstadt Amsterdam während der deutschen Besatzung und die Zustände in Auschwitz..
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