Abubakar Adam Ibrahim

Wo wir stolpern und wo wir fallen

Roman
Cover: Wo wir stolpern und wo wir fallen
Residenz Verlag, Salzburg 2019
ISBN 9783701717125
Gebunden, 320 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Susan Urban. Für den Drogendealer Reza ist der Einbruch in das Vorstadthäuschen der Witwe Binta Zubairu bloß die Routine eines heißen Vormittags. Einen Herzschlag später wissen beide: Das, was hier geschieht, dürfte nicht sein. Die Anziehungskraft, die sie erfasst, das Begehren, das ihnen selbst ein Rätsel bleibt, verstößt gegen alle Regeln der traditionellen muslimischen Gesellschaft der Stadt Jos. Und doch: Vor dem Hintergrund der politischen und religiösen Gewalt in Nigeria entfaltet sich die sinnliche, kämpferische und verzweifelt unmögliche Liebesgeschichte zwischen einer alternden Frau, die ihren Sohn verloren hat, und dem um 30 Jahre jüngeren Anführer der Gang des Viertels.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 31.01.2020

Rezensent Johannes Kaiser liest Abubakar Adam Ibrahims Debütroman mit Staunen. Die Geschichte einer amour fou zwischen einer älteren nigerianischen Muslima und einem jüngeren Drogendealer scheint ihm überraschend in der Art, wie der Autor Tabus bricht, souverän erzählend dem Kitsch entgeht und sich in die Gefühlswelt einer Frau bei ihrem womöglich letzten Liebesabenteuer einfühlt. Zugleich ist der Text für Kaiser ein Panorama der nigerianischen Gesellschaft, in dem die beiden Protagonisten gegensätzliche Pole besetzen. Nigerias korrupte Politik wie die Konflikte zwischen Christen und Muslimen kommen ebenso vor, so Kaiser, dem die Lektüre eine fremde Welt erschließt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.10.2019

Johannes Kaiser annonciert einen bemerkenswerten Debütroman: Der nigerianische Autor Abubakar Adam Ibrahim erzählt von der Affäre zwischen der frommen, verwitweten Mutter und Großmutter Binta und dem jungen Dealer und Gangleader Reza. Klingt nach Kitsch, gibt der Kritiker zu, ist aber so schwungvoll und fesselnd geschrieben, dass er sich der Geschichte nicht entziehen kann. Allein wie Ibrahim von der alle Grenzen überwindenden "Amour fou", der erwachenden Leidenschaft der streng gläubigen Binta und der Korruption in Nigeria erzählt, ringt dem Rezensenten größte Anerkennung ab. Und wenn der Autor darüber hinaus immer wieder die mörderischen Konflikte zwischen Christen und Moslems in Nigeria beleuchtet, lernt Kaiser auch noch einiges dazu. Nicht zuletzt verdankt er diesem Buch wunderbare nigerianische Sprichwörter wie: "Wer einen alten Mann verspeist, darf sich nicht beschweren, wenn er anschließend graue Haare spuckt."
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