Mit dem Manierismus verbindet die Kunstgeschichte eine zwischen Renaissance und Barock liegende Stilepoche. Ein bizarrer, aus dem Gleichgewicht gebrachter Formenapparat steht für eine übertrieben artifizielle Haltung der Künstler dieser Zeit, die voller Weltangst und Zweifel an der harmonischen Weltordnung den Glauben and die Kraft ungebrochener Kreativität verloren haben. Für Achille Bonito Oliva bezeichnet die Haltung des manieristischen Künstlers, der sich "durch Eigensinn und Verbissenheit, durch überlegene Distanz und zwielichtiges Auftreten, durch verquere Eigenschaften" auszeichnet, den Typus des Verräters, der in allen Epochen und Kunstgattungen auftaucht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2001
Achille Benito Oliva ist ein Kunsthistoriker und -theoretiker vom Schlage "Rastelli", stellt der Rezensent Werner Hofmann fest und meint es halb bewundernd und halb kritisch. Auf jeden Fall habe er im Manierismus das passende Thema gefunden: "Nie ist der Manierismus manieristischer beschrieben worden." Trotz der Aufsplitterung in 40 Kurzkapitel ergebe das Buch eine Einheit, vielleicht sogar allzu sehr, meint Hofmann, da "alle Brüche und Dissonanzen" daraus verschwunden seien. Der Text rundet sich zur These vom Manierismus als "Verluststil" - und der Rezensent merkt an, dass dabei die Analyse zum moralischen Urteil wird. Darüber hinaus ist der "Verrat", den Oliva als hervorstechendes Merkmal inkriminiert, nach Meinung Hoffmans keineswegs besonders spezifisch für den Manierismus. Wenn der Rezensent also im Sachlichen so seine Einwände hat, leugnet er doch die Qualitäten des Buches nicht: die "geschliffene Eleganz", das "artistische Geschick".
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