Berlin Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783827015426 Gebunden, 432 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Sula Textor. Da ist dieses kleine Bild, ein Passfoto in einem Karton mit Familienpapieren. Sonst war Élisabeth nur eine Peinlichkeit, ein schmerzliches Gerücht, das hinter vorgehaltener Hand weitergegeben wurde. Weggesperrt, lobotomiert, gestorben. Erst ihre Urenkelin beschließt, Nachforschungen zu dieser Frau ohne Geschichte anzustellen, auch weil sie befürchtet, selbst "verrückt zu werden". Sie trägt Briefe, Diagnosen, Interviews und jede Menge Schweigen zusammen. Und bringt so den verheerten Körper einer Frau und die kollektiv betäubte Erinnerung und die verletzten Seelen von Generationen ans Licht.
Einen echten Pageturner sieht Rezensentin Marie Schoeß in Adèle Yons Familiengeschichte: Die Ich-Erzählerin wird kurz nach ihrem 18. Geburtstag von ihren Großeltern zum Gespräch gebeten, nachdem sie Cannabis geraucht hat. Die Großeltern, so erfahren wir, erklären ihr, es gebe psychische Vorbelastungen in der Familie, ohne das genauer zu erklären. Die Ich-Erzählerin macht sich auf die Suche und findet heraus, dass ihre Urgroßmutter jahrzehntelang in der Psychiatrie einsaß und lobotomisiert wurde. Für Schoeß ist hier besonders überzeugend, dass Yon hier nicht einfach eine kranke Frau für eine spannende Erzählung ausnutzt, sondern darüber reflektiert, was es im 20. Jahrhundert bedeutete, eine Frau in den Fängen der Psychiatrie zu sein und sich fragt, wie sich davon erzählen lässt. Das ist so feinsinnig wie fesselnd erzählt, findet die Kritikerin, ein paar schiefe Sprachbilder fallen da kaum ins Gewicht.
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