Adolf Muschg

Im Erlebensfall

Essays 2002 - 2013
Cover: Im Erlebensfall
C.H. Beck Verlag, München 2014
ISBN 9783406659560
Gebunden, 310 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Kulturelles Gedächtnis und digitale Revolution, das Nachleben mythischer Verstrickungen in Kunst und Zivilisation, menschliche Endlichkeit und Konsumgesellschaft, Europa und das Finanzkapital, und immer wieder: die Grenze als kritische Größe des guten Lebens - das sind Themen von Adolf Muschgs großartigen Vorträgen und Essays, die aus Anlass seines achtzigsten Geburtstages in diesem Band versammelt sind, der mit einer luziden Lektüre des Gemäldes "Die Spinnerinnen" von Velázquez einsetzt. Das Gemälde thematisiert den Anfang der Webkunst - auch der Verfertigung von Texten. Der rote Faden, der dabei entsteht, führt allerdings nicht aus dem Labyrinth heraus, sondern auf rechte Art hinein. Er lehrt erkennen, dass die Ränder menschlicher Existenz und ihr Zentrum nicht zweierlei sind. Worauf es ankommt, ist die Erfahrung des Wegs.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2014

Nur kurz geht Sandra Kegel in einer Doppelkritik, die zugleich ein Gratulationsartikel zum Achtzigsten des Autors ist, auf die Essays ein. Manches sei an die Zeit gebunden, schreibt sie, besonders die Essays zum Thema "Leitkultur" oder zur Lage der Akademie der Künste, deren Präsident Muschg bis 2005 war. Anderes, etwa zu Europa, findet sie lesenswert. Besonders verweist sie auf den Assoziationsteppich der "Spinnerin", des einzigen Essays, der für den Band geschrieben wurde und seinen Ausgang vom gleichnamigen Gemälde Velázquez' nimmt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.05.2014

Als melancholischen Dulder eines religiösen Phantomschmerzes schildert Roman Bucheli Adolf Muschg in der Rezension seiner Essays, die zugleich ein Gratulationsartikel zu Muschgs Achtzigstem ist. Seine Rezension beginnt mit dem Motiv des "Verkehrtherum"-Lebens, das für Muschg offenbar lebenslang prägend war: Er findet es im Motiv der Arachne, der Spinnerin, die von Pallas Athene in eine Spinne verwandelt wurde und die auch in den einleitenden Essay zu Velázquez' "Spinnerin" assoziationsreich einfließt. Und er findet es in Muschgs Reflexionen über den Glauben, den er zwar verloren hat, ohne den ihm die Welt aber - mit Goethe - öd erscheint. So bleibt nur ein Tasten nach Vollendung in der Kunst und ein Suchen zwar nicht nach Gott, aber einer "verzauberten Vernunft", die nur die Kunst liefern könne.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.04.2014

Allein schon der vorwortartige Essay Adolf Muschgs scheint dem Rezensenten bemerkenswert. Ausgehend von einem Besuch im Prado entwickelt der Autor laut Joseph Hanimann nicht weniger als ein Eigenporträt, einen Zeitspiegel, ein literarisches Impromptu, eine Geburtstagsgabe (zum eigenen 80.) und ein poetologisches Testament in einem. Beeindruckt haben Hanimann, wie immer bei diesem Autor, dessen Assoziationsgabe und Souveränität im Umgang mit historischen Quellen, seine Denkschärfe, seine üppigen Sprachbilder und seine "löslichen" Theorieansätze, die in diesem Band von Muschg im Bekenntnis zu Ovid zusammenfließen, wie Hanimann erklärt. Thematisch und zeitlich weitausgreifend und Motive (Toleranz etwa) vielfach variierend, bestechen die Texte laut Rezensent nicht zuletzt durch einen besinnlichen bis engagierten Ton.
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