Nicht mein Leben
Erzählung

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN
9783406829673
Gebunden, 176 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
"Nicht mein Leben" ist eine Erzählung über Wahrheit und Lüge im Leben und Lieben des August Mormann, das vielleicht persönlichste Buch des Büchner-Preisträgers Adolf Muschg. August Mormann, achtzigjähriger, zunehmend fragiler ehemaliger Schweizer Gymnasialprofessor für Alte Sprachen und Autor leidenschaftlicher Essays über Europa, sucht sich eine Grabstätte auf einem Zürcher Friedhof. Seine viel jüngere, aus Japan stammende dritte Ehefrau Akiko Kanda möchte einmal mit ihm in seinem Grab liegen. Ein anrührender Liebesbeweis in einer komplizierten Ehe. Das und die Entdeckung, dass sein Grab-Nachbar sein ehemaliger Mitschüler Robin ist, der ihm, dem verwaisten und von seinen Halbgeschwistern allein gelassenen Jungen, einst sein geistiges Überleben ermöglicht hat, bringt Mormann dazu, sein Leben und dessen Spielregeln zu überdenken. Als er von einer nicht nur wegen des Überfalls Russlands auf die Ukraine überschatteten Europa-Konferenz in Triest nach Hause kommt, ist seine Frau verschwunden.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2025
Rezensentin Pia Reinacher bewundert die neue autobiografische Erzählung von Adolf Muschg. Für sie handelt es sich ganz klar um ein "nur leicht verkapptes" Selbstporträt des herausragenden Schweizer Intellektuellen, wie schon der Buchtitel und die Initialen des Protagonisten verraten: August Mormann ist im Buch, wie Musch einst selbst, Gymnasiallehrer für Alte Sprachen und mit einer Japanerin verheiratet; es geht um die Vorbereitung des Paares auf den Tod, um prägende Jugendfreundschaften, und um die familiäre Vergangenheit - am "eindrücklichsten" für die Kritikerin sind diejenigen Passagen, in denen Musch von der zentralen Rolle des Nachbarn erzählt, der sich nach dem Tod beider Eltern des Waisenjungen annahm. Wie Musch diese Rückschau, die für Reinacher auch ein "Exorzieren der Angst vor dem Ende" ist, arrangiert, mit souveränem Doppelspiel an der Grenze zwischen Autobiografie und Konstruktion, mit "hyperrealistischen" Szenen des eigenen Todes und gespickt mit literarischen und politischen Anspielungen, findet den größten Respekt der Literaturwissenschaftlerin, die fest von einer Fortsetzung ausgeht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2025
Ein rührendes Buch über sich selbst hat Adolf Muschg laut Rezensent Roman Bucheli geschrieben. Dabei heißt die Hauptfigur dieser Erzählung gar nicht Muschg, sondern August Mormann und ist nicht Literaturprofessor, sondern Griechischlehrer. Sonst aber stimmt fast alles, was über das Leben dieses Mormanns berichtet wird, mit dem Muschgs überein, von der Kindheit, die vom Tod des Vaters und einem Internatbesuch geprägt ist über eine späte Liebesgeschichte bis zum Schreiben als Lebensrettung. Der Titel ist mehrdeutig, findet Bucheli, weil Muschg hier gleichzeitig über sein eigenes Leben schreibt und doch wieder nicht, zwischendurch geht es nämlich auch darum, sich ein anderes, ungelebtes Leben vorzustellen, etwa wenn Muschg darüber spekuliert, was passiert wäre, wenn seine Mutter sich als junge Frau mit einem britischen Offizier zusammengetan hätte. Muschg hat ein haderndes, unversöhnliches Buch geschrieben, ein Buch, das in ein anderes Leben flüchtet, weil es für den Autor keine Erlösung gibt, schließt Bucheli. Immerhin das Schreiben bleibt dem inzwischen neunzigjährigen Muschg bis zum Schluss, schließt der sich weitgehend eines Urteils enthaltende Kritiker.