In einem kleinen Dorf tief in der russischen Provinz eine zweite Heimat zu finden, das war der Traum. Dann kam der Angriff auf die Ukraine. Von den Abenteuern und Skurrilitäten des russischen Landlebens erzählt Lutz Dursthoff mit Leichtigkeit und Humor. Und er hält mit Wehmut und Zorn fest, was dieser Krieg alles zerstört hat. "Seit Jahren hatten mir Freunde gesagt, 'schreib das doch auf', wenn ich berichtete, auf welch abenteuerlichen Wegen meine Frau und ich es, trotz pandemiebedingt geschlossener Grenzen, auf unsere Datscha geschafft hatten. Oder was die Wölfe im Winter wieder angestellt hatten." Endlich hatte Lutz Dursthoff, langjähriger Sachbuchlektor im Verlag Kiepenheuer & Witsch, mit dem Schreiben begonnen. Doch dann der Bruch. Die Ungeheuerlichkeit eines brutalen Angriffskrieges, geführt von dem Land, das ihm mit den Jahren so vertraut geworden war. Wie weitererzählen? Am Ende ist ein berührender Abgesang entstanden, eine nostalgische Erzählung von einer versunkenen, idyllischen Welt, die seine aus Russland stammende Frau und er sich in der ländlichen Abgeschiedenheit erobert und erarbeitet hatten, ganz buchstäblich auf den Äckern, Beeten und in den Treibhäusern ihrer Datscha. Sowie ein subjektives Zeugnis der Zeit, als der Krieg wieder Einzug in Europa hielt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2024
Rezensent Robin Passon hätte sich mehr Tiefgang oder immerhin eine stringentere chronologische Ordnung gewünscht in Lutz Dursthoffs episodischer Anekdotensammlung über die Erfahrungen des Autors in der russischen Provinz. Wenn der Autor über die Umgestaltung der Familiendatsche oder den Kompost nachdenkt und kurz darauf russischen Antisemitismus oder den russischen Angrifsskrieg in der Ukraine behandelt, wirkt das auf Passon mitunter irritierend. Die ganze soziale Dimension der an sich interessanten Beobachtungen im Buch bleibt so auch allzu oft im Dunkeln, bedauert der Rezensent. Davon abgesehen aber bietet ihm Dursthoff allerhand Kurioses unterhaltsam serviert.
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