Schröders Roman erzählt die Geschichte einer jüdischen Emigrantin. Als junges Mädchen entkommt Selma Bruhns der Deportation und geht nach Brasilien. Nach mehreren Jahren kehrt sie in ihre Stadt zurück und bezieht wieder die Villa, in der sie mit den Eltern und der Schwester wohnte ...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2002
Martin Ebel fühlt sich an Bernhard Schlinks "Vorleser" erinnert: Konstellation und Thematik in Adolf Schröders "Kartenspiel" sind - auf den ersten Blick - ähnlich. Eine ältere Frau trifft auf einen jüngeren Mann, und im Hintergrund dieser Beziehung, die aber keine Liebesbeziehung ist, schwebt drohend der Holocaust. Die ältere Dame ist in diesem Fall eine Überlebende des Holocausts, die sich - bekanntes Phänomen - am Tod ihrer Schwester schuldig fühlt und ihr Leben lang dafür selbst bestraft hat. Ebel findet den Roman eher quälend zu lesen, da der Autor das Phänomen der Selbstzerstörung in die sprachliche Ebene - als "Chiffre für die beschädigte Welt" - verlagert hat. Nicht nur die Hauptfigur des Romans, auch alle Nebenfiguren seien von dieser Störung gezeichnet, die Ebel als "eine Art Rütteleffekt" bezeichnet. Auch die abrupten Zeit- und Schauplatzwechsel machen es schwierig, sich auf die Figuren und die Handlung des Romans einzulassen. Am meisten stört ihn aber wohl die moralische Pose des Autors: "Lies mich" oder "lass es", so interpretiert Ebel die Aufforderung zur Läuterung, so als gebe es "keine andere angemessene Reaktion", schließt der Rezensent seufzend.
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