Cemal ist Ende 30, Deutschlehrer an einer Grundschule und Vater der kleinen Ekin. Für sie möchte er ein stabiles Umfeld schaffen - was ihm aber zunehmend schwerfällt. Sein Alltag voller Herausforderungen der Diaspora wird nachts immer häufiger durch Träume von seiner verstorbenen Urgroßmutter Süveyde aufgebrochen. Sie zeigt ihm darin Szenen aus ihrem Leben, und versetzt ihn wie beiläufig an den Ort seiner Kindheit: Ein arabisches Dorf in der Südtürkei, wo Cemal bei den Großeltern gelebt hat, bis er als Achtjähriger seinen Eltern nach Deutschland gefolgt ist - zu einer Familie, die ihm fremd war, die er nun aber lieben sollte. Cemal watet immer tiefer in dunklen Gewässern, die ihn zunehmend auch im Wachzustand umgeben. In Georg hat er, nach seiner Exfrau Gül, zum ersten Mal einen Partner gefunden, der ihn in seinem Innersten erreicht. Doch Cemal bleibt verschlossen und somit ewiger Zuschauer seiner eigenen Geschichte - dabei muss er endlich lernen, auf sein Innerstes zu hören, um diese Geschichte selbst zu bestimmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2024
Ein originelles Buch, das auf in Deutschland wenig beachtete Schicksale aufmerksam macht, findet Rezensentin Karen Krüger mit diesem Buch von Sehnaz Dost. Der Roman handel von Cemal, einem sogenannten Kofferkind, dessen Eltern in Deutschland als Arbeitsmigranten lebten, während er zunächst in der Türkei zurückblieb und erst mit acht Jahren nachzog. In der Erzählgegenwart ist Cemal Lehrer, er lebt von seiner Frau getrennt und hat sich soeben auch von Georg, einer Affäre, getrennt. Traurig ob dieses Verlusts begegnet er im Traum seiner Ururgroßmutter Süveyde, die ihm einen neuen Blick auf sein Leben ermöglicht, erzählt die Kritikerin. Das Gefühl der Fremdheit ist Thema hier, meint Krüger, die von mürrischen Nachbarn liest und einen Blick auf triste deutsche Straßen wirft. Türkische Musik sorgt im Leben Cemals für Hoffnungsschimmer, führt die Rezensentin weiter aus. Ein kluges Buch, findet sie, das Einblick gibt in Erfahrungswelten, von denen viele in Deutschland wenig wüssten.
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