Adriana Altaras

Titos Brille

Die Geschichte meiner strapaziösen Familie
Cover: Titos Brille
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2011
ISBN 9783462042979
Gebunden, 263 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Die Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras führt ein ganz normales chaotisches und unorthodoxes Leben in Berlin. Mit zwei fußballbegeisterten Söhnen, einem westfälischen Ehemann, der ihre jüdischen Neurosen stoisch erträgt, und mit einem ewig nörgelnden, stets liebeskranken Freund, der alle paar Monate verkündet, endlich auswandern zu wollen. Alles bestens also ... bis ihre Eltern sterben und sie eine Wohnung erbt, die seit 40 Jahren nicht mehr ausgemistet wurde. Fassungslos kämpft sich die Erzählerin durch kuriose Hinterlassenschaften, bewegende Briefe und uralte Fotos. Dabei kommen nicht nur turbulente Familiengeheimnisse ans Tageslicht. Auch die Toten reden von nun an mit und erzählen ihre eigenen Geschichten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2011

Rezensentin Kristina Maidt-Zinke sieht dem Genre der jüdischen Familiengeschichte mit Adriana Altaras' Buch eine neue, reizvolle Spielart hinzugefügt. Die Schauspielerin und Regisseurin, 1960 in Zagreb geboren und heute in Berlin lebend, hat mit fröhlicher Respektlosigkeit und Freude am Farcehaften die Geschichte ihrer Familie aufgeschrieben, erfahren wir. Dabei greift sie auch den Holocaust mit einer Sorglosigkeit auf, der manchem Betroffenheits-Deutschen die Schamesröte ins Gesicht treiben dürfte, so die Rezensentin. Auch wenn die Sichtung des Nachlasses der Eltern den Erzählanlass liefert und im Zuge dessen durchaus Verborgenes der Familiengeschichte ans Licht geholt wird, versucht die Autorin nicht, einen Roman zu entwickeln, sondern verlässt sich auf die "offenbar ganz authentische" Familienhistorie, stellt Maidt-Zinke zufrieden fest, die mit Vergnügen die grotesken Anekdoten und von den familiären "Verrücktheiten" gelesen hat. Sie muss allerdings zugeben, dass die jüdischen Witze, die die Autorin einstreut, nicht zu den besten gehören. Trotzdem, die respektlose Ironie, mit der Altaras das "Chaos" ihrer Familie und ihres eigenen Lebens behandelt, hat die Rezensentin sehr eingenommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2011

Dies ist ein autobiografischer Text, und zwar nicht der ordentlich-regelgerecht chronologisch voranschreitenden Art, erklärt die Rezensentin Irene Bazinger. Recht wild springt die in Kroatien geborene jüdische Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras vielmehr hin und her zwischen den Stationen ihres Lebens, aber auch Rückblicken auf die Biografien von Eltern und anderen Verwandten. Der Holocaust spielt als niemals zu vergessender Hintergrund seine Rolle, aber auch die Kämpfe darum, auch einmal anders denn als Putzfrau besetzt zu werden, verschweigt Altaras nicht. Ein paar kleinere Mängel hat der Band, ein besseres Lektorat hätte, so Bazinger, ganz sicher nicht geschadet, eine Auflistung biografischer Daten hätte der Orientierung gedient. Angesichts der Lebendigkeit des Ganzen falle das aber kaum ins Gewicht.

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