Nostalgie. Geschichte eines gefährlichen Gefühls
Warum uns die Vergangenheit nie loslässt

Reclam Verlag, Stuttgart 2025
ISBN
9783150115411
Gebunden, 304 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Christiane Burkhardt. Sehnsucht nach einem goldenen Zeitalter? Warum sehnen wir uns nach der "guten alten Zeit"? Agnes Arnold-Forster führt uns auf eine faszinierende Reise durch die Geschichte der Nostalgie - von ihrer "Entdeckung" im 17. Jahrhundert in der Schweiz, wo sie als Krankheit galt, bis zu ihrer modernen Rolle als Marketing- und Politikinstrument. Die Historikerin zeigt, wie Nostalgie Ängste spiegelt, Erinnerungen prägt und uns zugleich bei heutigen Herausforderungen hilft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2025
Interessiert, in einer Hinsicht aber auch kritisch bespricht der hier rezensierende Historiker Valentin Groebner Agnes Arnold-Forsters Buch über Nostalgie. Zunächst liest der Kritiker allerhand über die Genese des Begriffs: Entstanden im 17. Jahrhundert bezog er sich zunächst auf die Heimatssehnsucht von Menschen, die im Zuge von Kolonialismus und Sklavenhandel verschleppt wurden, später wurde er verallgemeinert hin auf eine Sehnsucht nach vergangenen, idyllischen Zeiten, außerdem wurde er ab dem 20. Jahrhundert nicht mehr als potenziell todbringende Krankheit gefasst, sondern als etwas, das im Inneren der Menschen wohnt. Außerdem geriet die Nostalgie ins Visier einer Kulturkritik, deren Muster sich in den letzten 100 Jahren kaum verändert haben und die selbst nostalgisch ist, insofern sie Nostalgie als eine Reaktion auf die chaotische Gegenwart brandmarkt, entnimmt Groebner dem Buch. So weit so gut, meint der Kritiker, der sich allerdings fragt, ob Arnold-Forster nicht etwas zu viel in einen Topf wirft, wenn sie im 17. Jahrhundert dieselbe Nostalgie vorzufinden scheint wie in der Trump-Ära. Insgesamt plädiert sie dafür, Nostalgie nicht zu verteufeln, sondern eher als kreatives Potenzial zu betrachten. Das wiederum, wie auch die im Buch entworfene Geschichte der Nostalgie insbesondere der jüngeren Vergangenheit, scheint Groebner tendenziell einzuleuchten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 08.09.2025
Der Begriff Nostalgie wurde 1688 von einem Schweizer Arzt geprägt, lernt Kritikerin Claudia Fuchs bei der britischen Historikerin Agnes Arnold-Forster, die eine Geschichte dieses Gefühls in medizinischer wie gesellschaftlicher Hinsicht vorlegt. Der Arzt Johannes Hofer hat den Begriff zunächst genutzt, um die Empfindungen von Soldaten zu beschreiben, die weit von Zuhause im Einsatz waren. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde empfohlen, das Gefühl tendenziell zu unterdrücken, erfahren wir, immer ist die Interpretation von Nostalgie gesellschaftlich mitgeprägt. Dass Nostalgie zum politischen Motor wird, ist zudem keine Erfindung von Donald Trump, lernt Fuchs. Sie ist ein wenig irritiert davon, wie Arnold-Forster im letzten Kapitel noch versucht, der Emotion Positives abzugewinnen, allerdings ohne Beweise anzuführen. Zum Weiterdenken regt sie das Buch dennoch an, wie sie resümiert.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 06.09.2025
Mit Gewinn liest Rezensentin Andrea Gerk das Buch der Historikerin Agnes Arnold-Forster, die sich dem äußerst komplexen Gefühl Nostalgie und seinen politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen widmet. Im 18. Jahrhundert wurde Nostalgie zum Beispiel bei Soldaten als eine Form des Heimwehs bewertet und mit Aderlässen und Spaziergängen behandelt, erfahren wir. Gefährlich wird es, wenn das Gefühl politisch instrumentalisiert wird. Das zeigt sich etwa daran, dass 66 Prozent der Rumänen Ceausescu wählen würden und Trump seine Kraft auch in der Illusion eines Amerikas gewinnt, in dem früher alles besser war, lernt Gerk. Sie denkt gerne mit Arnold-Foster darüber nach, wie wir Nostalgie individuell und gesellschaftlich reflektieren und hinterfragen sollen.