Aus dem Hebräischen von Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling. Die Spannung zwischen Menschen und Orten und ein Gefühl realer, ja existentieller Entfremdung verbindet diese sieben Erzählungen, die jeweils den Namen eines Ortes als Titel haben: Amerika, Kibbuz, Hiroshima, Tel Aviv, München, Jerusalem und, schließlich, ein Nicht-Ort, an dem die Attribute von Orten keine Bedeutung mehr haben, weil alles Vertraute zerstört ist: Ein guter Platz für die Nacht. An diesen Orten ereignen sich Begegnungen, in denen Menschliches, Historisches, Geschlechtliches, Schicksalhaftes sich wie in einem Brennglas bündelt. In allen Erzählungen ist jemand fern von zu Hause, doch dieses Zuhause ist kein Ort wirklicher Zugehörigkeit, sondern eher ein Ort der Sehnsucht danach.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2006
Eine Beschwörung von Orten jüdischen Lebens findet Rezensentin Karen Krüger in den vorliegenden Erzählungen Savyon Liebrechts, die 1948 als Tochter von Holocaustüberlebenden in München geboren wurde. Heute fast nur in der Erinnerung oder in Fotografien existierende Landschaften des Judentums sieht Krüger im Zentrum der Erzählungen. Dabei wird für sie die Suche von Liebrechts entwurzelten Eltern nach einem neuen Zuhause spürbar. Krüger schildert Liebrechts Figuren als hin- und hergerissen zwischen dem Hass und der Liebe zu einem Ort, dauerhafte Bindungen gelängen ihnen kaum. Lob streicht die Autorin für ihr "gekonntes Spiel mit Symbolen" sowie ihre "bilderreiche Sprache" ein, die ganz am Ende des Bandes einer "strengen Schwere" weiche.
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