Dass wir einer Nation angehören, "Deutsche", "Franzosen", "Türken" sind, erscheint uns heute als wesentlicher Teil unserer Identität. Das war nicht immer so. Nationalismus ist ein Phänomen der Neuzeit. Er war die Grundlage für die Herausbildung nationaler Kulturen und die Entstehung von Nationalstaaten. Zumal in seiner deutschen Ausprägung war er aber auch immer wieder Ausgangspunkt für Hass, Gewalt und Krieg. Andreas Fahrmeir schreibt die Geschichte eines ambivalenten Phänomens, das, wir sehen es an den jüngsten politischen Entwicklungen, auch in unserem vermeintlich "postnationalen" Zeitalter dramatisch und brisant bleibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.10.2017
Stephan Speicher unertsucht zusammen mit dem Frankfurter Historiker Andreas Fahrmeir das Verhältnis der Deutschen zu ihrer Nation. Dass es heute positiver ist als noch vor 35 Jahren erfährt er im Buch, und auch, dass das Konzept der Nation weiterhin politische Sprengkraft besitzt. Wann die Homogenisierung der Gesellschaft unter dem Begriff beginnt und wann sie stärker bzw. schwächer war, vermag ihm Fahrmeir auseinanderzusetzen. Speicher schätzt die Ruhe und Umsicht des Autors, bedauert aber, dass er dafür nur verhältnismäßig wenig Raum zur Verfügung hat. Eine zweite Auflage sollte seiner Meinung nach umfangreicher sein, um die Anschaulichkeit zu steigern und weniger handbuchartig zu verfahren.
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