Aka Morchiladze

Der Filmvorführer

Cover: Der Filmvorführer
Weidle Verlag, Bonn 2018
ISBN 9783938803899
Kartoniert, 136 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Aus dem Georgischen von Iunona Guruli. Von einem Tag auf den anderen verschwindet Beso, der junge Chauffeur einer internationalen Organisation, aus Tiflis. Er lässt Memoiren zurück, die vom Aufwachsen in einer kleinen westgeorgischen Stadt ab den 1970er Jahren erzählen. Und von der Freundschaft zum deutlich älteren Islam Sultanow, einem Fürsten, der bereits früh aus seinem Reich vertrieben wurde und nun in Besos Dorf ein abgeschottetes Dasein als Filmvorführer fristet. Beso ist der einzige, der den Kontakt zu dem Außenseiter sucht, und Islam hält fortan seine schützende Hand über den Jungen. Als Beso zum Militärdienst eingezogen wird, bewahrheiten sich die schlimmsten Befürchtungen: er wird nach Afghanistan verfrachtet, in einen grausamen Krieg. Nur dank eines rätselhaften Zettels, den er von Islam bekommen hat, überlebt Beso. Zurück in seiner Heimatstadt, nimmt Beso eine bescheidene Anstellung im Heimatmuseum an, das von keinem Bewohner je besucht wird. Aber die Ruhe in Besos Arbeitsalltag trügt, die Umwälzungen im Zuge der Perestroika sind bereits im vollen Gange. Selbst in der Kleinstadt bildet sich eine Widerstandsgruppierung, die Beso um Unterstützung bittet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2018

Ulrich M. Schmid lernt bei Aka Morchiladze Georgien als kulturellen Begegnungsraum und Konfliktzone kennen. Reizvoll scheint ihm, wie der Autor georgische Befindlichkeiten zugleich bestätigt und unterwandert, indem er etwa seine schwer vom Dasein überforderten Figuren von der turbulenten georgischen Geschichte überfahren lässt, gleichzeitig aber die Verhältnisse mit Vergleichen mit Russland oder Armenien zu relativieren versucht. Den im georgischen Original 2009 erschienenen und gefeierten Text über die Wirren des Jahres 1992 liest Schmid als autobiografischen Bericht eines Losers aus der Provinz. Den Sinn des Autors für Dramatik und Atmosphäre und versteckte Wahrheiten seiner Figuren findet Schmid bemerkenswert.

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