Aus dem Georgischen von Rachel Gratzfeld. Sura, glücklicher Vater und weniger glücklicher Hausmann - er hat seine Arbeit verloren -, bekommt einen neuen Nachbarn. Gelangweilt beginnt er, den auffälligen jungen Mann mit dem roten Alfa Romeo zu beobachten - und gerät schnell in den Bann des fremden Lebens. Bald weiß Sura immer mehr über den anderen, auch über die Besuche seines Liebhabers, eines hohen Beamten. Doch dann beobachtet er einen furchtbaren Streit mit furchtbaren Folgen - und sieht seine Chance, wieder für seine Familie sorgen zu können. In all dem bemerkt er nicht, dass seine Frau Tina sich in eine Amour fou gestürzt hat; und nun flieht Tina aus ihrer Ehe, in das von Hitze und Aufruhr aufgepeitschte Tiflis - es ist der Sommer 2012, in dem der Milliardär Iwanischwili an die Macht kommt.
Fünf Menschen suchen ihr Glück und setzen alles aufs Spiel, was sie haben - auch wegen der unversöhnlichen Ansprüche einer Gesellschaft, in der Vergangenheit und Zukunft sich feindlich gegenüberstehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2018
Tilman Spreckelsen erinnert Davit Gabunias im vergangenen Jahr im georgischen Original erschienener Roman an Hitchcocks "Fenster zum Hof". Wie Gabunia einen seiner Protagonisten vom Fenster seiner Wohnung aus in eine "trostlose Anlage" schauen lässt, während die umwälzenden Ereignisse in Georgien des Jahres 2012 vor sich gehen, und wie der Autor sodann weitere Perspektiven in seinen Text einzieht und so das Geschehen in einen größeren Zusammenhang einbettet, findet Spreckelsen spannend. Formbewusst das Thema Beobachten umkreisend und die Frage nach der geeigneten Reaktion stellend, so Spreckelsen, liefert der Autor ein "vielschichtiges" Bild der georgischen Gesellschaft im Umbruch.
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