Aus dem Amerikanischen von Karin Schuler. Die Erinnerung an den 9. November 1938, an eine Nacht voll Schrecken und Terror für die deutschen Juden, gehört zum Kern eines besseren deutschen Gedächtnisses, gerade weil sie mahnt und abwehrt und nicht feiert. Der Historiker Alan E. Steinweis beschreibt in seinem Buch minutiös und umfassend diesen bösen Tag aus der deutschen Geschichte, als womöglich erstmals in einem ganzen Staat ein Pogrom entfesselt wurde, der Auftakt zum Holocaust. Die mörderische, plündernde und brandschatzende Gewalt wurde anders, als man lange geglaubt hat nicht von oben, vom Nazi-Regime angeordnet und begonnen, sie brach ohne Befehle von unten aus, in vielen deutschen Kleinstädten, aus einem winzigen, propagandistisch ausgeschlachteten Anlass; und Partei- und Staatsführung hatten einige Mühe, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2013
Von andauernder Aktualität sind die Ereignisse vom November 1938 in Deutschland für Christian Hartmann. Grund genug, das Buch von Alan Steinweis zum 75. Jahrestag der Novemberpogrome den Lesern zu empfehlen. Hartmann nennt es eine kluge, kompetente Überblicksdarstellung auf dem Stand der Forschung. Dass Hartmann es spannend findet, mutet etwas seltsam an. Besser leuchtet ein, dass sich der Rezensent für die Täter und die Tatdynamik interessiert, für die Frage nach System- und Einzelgewalt, und dafür, ob der Autor die schrecklichen Ereignisse als Zäsur oder Teil einer Entwicklung begreift. Hier zumindest scheint ihm der Autor unentschlossen. Die Folgen über '45 hinaus hingegen vermag ihm Steinweis klar in ihrer Bedeutung für das kollektive Gedächtnis zu umreißen.
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