Uta Gerhardt (Hg.), Thomas Karlauf (Hg.)

Nie mehr zurück in dieses Land

Augenzeugen berichten über die Novemberpogrome 1938
Cover: Nie mehr zurück in dieses Land
Propyläen Verlag, Berlin 2009
ISBN 9783549073612
Gebunden, 368 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Während jener Pogrome waren etwa 400 Juden ermordet oder in den Tod getrieben worden, 30 000 wurden in Gefängnissen und Konzentrationslagern inhaftiert und schwer misshandelt. Zehntausende verließen daraufhin ihre Heimat, schockiert von dem, was viele Zeitgenossen als den größten Zivili-sationsbruch der Geschichte empfanden. Was sie mitnahmen, war der Schmerz des Abschieds, aber auch die Erinnerung an grauenhafte Szenen: die Überfälle betrunkener Nazi-Horden, die öffentlichen Demütigungen, das Niederbrennen der Synagogen, die unmenschlichen Zustände in den überfüllten Gefängniszellen und KZ-Baracken. Die Reaktionen der Nachbarn und Passanten auf diese Barbarei reichten von Anteilnahme und Hilfeleistung bis zu Hohn, Spott und Übergriffen. Der Initiator des Harvard-Projektes, der Soziologe Edward Hartshorne, stellte die bewegenden Zeugnisse zu einem Buch zusammen, das er wegen des Kriegseintritts der USA jedoch nicht mehr veröffentlichen konnte. Er wechselte in den Geheimdienst, die Berichte fielen dem Vergessen anheim. Durch einen Zufall wurde jetzt das Originalmanuskript gefunden. Sorgfältig ediert und kommentiert durch die Herausgeber, mit einem Vorwort von Saul Friedländer versehen, wird es hier erstmals zugänglich gemacht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.11.2009

Sabine Fröhlich beantwortet ihre eigene Frage, warum man die zum Teil bereits publizierten Augenzeugenberichte von den Novemberpogromen 1938 in Deutschland nun noch einmal veröffentlichen sollte, mit der eindringlichen "Authentizität", die die Texte bis heute bewahren. Die Berichte waren aus einem Preisausschreiben der New York Times hervorgegangen, das zu Beginn des Zweiten Weltkriegs nach persönlichen Erfahrungen aus Deutschland vor und nach 1933 fragte, erklärt die Rezensentin. Da hauptsächlich jüdische Immigranten antworteten, ergab sich daraus ein erschütterndes Dokument der antisemitischen Verfolgung und ein letztes Zeugnis jüdischen Lebens in Europa, so die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.11.2009

Vor allem die Entstehungsgeschichte dieses Bandes hat es dem Rezensenten Hans-Jürgen Döscher angetan: Im August 1939 hatte New York Times ihre Leser aufgefordert, über ihre Erfahrungen in Deutschland vor und nach 1933 zu berichten. Mehr als 250 Manuskripte gingen bei der Zeitung ein, die meisten waren von jüdischen Flüchtlingen verfasst worden. Aus verschiedenen Gründen sind diese Texte nie verwertet worden, die Historikerin Uta Gerhardt hat sie Mitte der Neunziger bei Recherchen in Berkeley entdeckt und nun zusammen mit Thomas Karlauf herausgegeben. Beiden bescheinigt der Rezensent, diese "eindrucksvollen Zeugnisse sachkundig ediert", kommentiert und mit einem Vorwort von Saul Friedländer ergänzt zu haben. Über die Texte selbst äußert er sich nicht im einzelnen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.11.2009

Über die Novemberpogrome hat Anke Schwarzer vieles gehört und gelesen. Was die von Uta Gerhardt und Thomas Karlauf herausgegebenen 21 Augenzeugenberichte ihr darüber vermitteln, erscheint ihr jedoch neu, anders, unglaublich zu sein. Über den "Einfallsreichtum" und die Akribie des nazistischen Terrors, über das Verhalten der Nachbarn und Freunde, aber auch über gelungene Versuche, dem Nazi-Mob zu entwischen, liest Schwarzer. Zusammen mit den Anmerkungen der Herausgeber zur Geschichte dieser Dokumentensammlung, zu den Verfassern und ihrer Flucht aus Deutschland ergibt der Band für Schwarzer eine so konzentrierte wie anschauliche Dokumentation.

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