Übersetzung aus dem Englischen: Joachim Bartholomae. Dave Win ist dreizehn, als er zum ersten Mal zu den Hadlows kommt, denen er ein Stipendium für das örtliche Internat verdankt. Das Wochenende bei der einflussreichen Familie eröffnet dem Jungen Möglichkeiten, die zuvor undenkbar schienen. Dave hat seinen birmanischen Vater nie kennengelernt und ist bei seiner Mutter aufgewachsen, einer englischen Schneiderin. Bei den Hadlows eröffnet sich ihm eine bislang ungekannte Welt des Wohlstands. Er ist aber auch den neidvollen Attacken von Giles Hadlow ausgesetzt, dem gleichaltrigen Sohn des Hauses. So verschieden die beiden Jungen sind, so unterschiedlich verlaufen ihre Lebenswege. Während Dave als Schauspieler Erfolge feiert, aber auch mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert ist, macht Giles als konservativer Politiker Karriere und kämpft für den Brexit. "Unsere Abende" ist Dave Wins Lebensbericht. Der Roman verfolgt seine Entwicklung durch ein halbes Jahrhundert - von den frühen Jahren als Schüler und Student über erste Beziehungen und den Umzug nach London bis hin zum turbulenten Alltag als Tournee-Schauspieler und einem späten Liebesglück in seinen Sechzigern. Gleichzeitig wird die Geschichte von Daves Mutter Avril erzählt, die nach dem Auszug ihres Sohnes überraschend eine Beziehung mit einer Frau eingeht..
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025
Der Titel "Unsere Abende" spielt auf ein Klavierstück von Leos Janacek an, informiert Rezensent Gustav Seibt, und so geht es seiner Schilderung nach zu in diesem Roman, sanft und gediegen, wehmütig, leicht woke und sehr britisch-kultiviert die Klassen- und (darf man so sagen?) Rassendifferenzen des Landes austastend. Seibt ist sich mit mit dem Granta-Chef Thomas Meaney einig: Hollignhurst ist wohl der zur Zeit beste britische Autor, und dies Buch ist das beste des besten. Wieder ein schwuler Lebensroman also, in dem den sechziger und siebziger Jahren viel Zeit gewidmet wird, während sich mit dem allmählich und unmerklich nähernden Alter die Zeit beschleunigt. Eindringlich findet Seibt, wie Hollinghurst die Geschichte eines intersektional vielfach zum Außenseiter markierten Protagonisten schildert: Er ist schwul, Kind eines burmesischen Vaters, arm in einer Oberklasseumgebung. Für Seibt ist der Roman auch ein Mahnmal für eine heutige Gesellschaft, die Differenzen noch toleriert.
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