James Cahill

Tiepolo Blau

Roman
Cover: Tiepolo Blau
Albino Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783863003784
Gebunden, 448 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Joachim Bartholomae. Cambridge, 1994. Nachdem er zu Studienzeiten von einem Kommilitonen zurückgewiesen wurde, hat der Kunsthistoriker Don Lamb der Liebe abgeschworen und sich ganz seiner Karriere verschrieben. Mit Anfang 40 führt er ein asketisches Professorenleben zwischen Hörsaal, Bibliothek und dem High Table, wo am Abend die Intrigen des Lehrkörpers gesponnen werden. Außerdem arbeitet er wie besessen an einem Buch über das Blau des Himmels in den monumentalen Fresken von Barock-Maler Giovanni Battista Tiepolo. Doch dann kommt der Knacks. Als im Peterhouse eine moderne Kunstinstallation aus Müll errichtet wird, ist Don dermaßen empört darüber, dass er seinem Gelehrten-Reservat den Rücken kehrt und stattdessen die Leitung eines Museums in London übernimmt. Damit bricht das wahre Leben über ihn herein - in Gestalt des jungen Künstlers Ben, der ihn in die anarchische Künstlerszene der Hauptstadt und das Nachtleben von Soho einführt. Der Perspektivwechsel lässt den sonst beherrschten Professor zunächst aufblühen, erschüttert aber auch seine bisherige Existenz in ihren Grundfesten. Dons Schwärmerei für Ben wird zum Drahtseilakt und sein Neuanfang zu einer immer verworreneren Reise ins Ungewisse. James Cahill war selbst einige Jahre Dozent in Cambridge und kennt die Welt, von der sein Debütroman erzählt, sehr genau. So ist "Tiepolo Blau" nicht nur die Coming-of-Age-Geschichte eines kauzigen Intellektuellen in der Midlife-Crisis, sondern auch ein liebevolles Porträt der Elfenbeinturm-Existenz eines Stubengelehrten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.11.2024

Rezensent Gustav Seibt vermutet, dass die Zielgruppe des Romans von James Cahill eher begrenzt sein dürfte. Um das Buch ganz genießen zu können, sollte der Leser nämlich Thomas Manns "Tod in Venedig" parat haben, meint Seibt. Die um 1994 spielende Geschichte um einen schwulen Kunsthistoriker und Tiepolo-Experten aus Cambridge, der seinen honorigen Status und sein ästhetisches Urteil aufgibt, um durch Londons Nachtleben zu cruisen und schließlich völlig die Kontrolle über sein Leben zu verlieren - Seibt jedenfalls nimmt sie gefangen. Neben viel Witz enthält der Text laut Seibt auch betörende Gemäldeschilderungen und Parodien des Kunsthistoriker-Stils.

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