Mexiko fungiert derzeit gewissermaßen als Gegenmodell zum reformerischen Aufbruch in Südamerika. So radikal und gewalttätig wie sonst nur in Kolumbien setzen die herrschenden politischen und wirtschaftlichen Eliten auf die Fortführung und Vertiefung des neoliberalen Modells. Demgegenüber fordert ein erheblicher Teil der mexikanischen Bevölkerung einen Kurswechsel hin zu mehr Freiheit und sozialer Gerechtigkeit. Zwischen den beiden Lagern kam es mehrfach zu heftigen Konfrontationen. Die Zukunft des staatlichen Erdölkonzerns PEMEX ist besonders umstritten. Während ihn die Regierung für nationales und internationales Privatkapital öffnen will, stellt sich eine starke Anti-Privatisierungsbewegung dem Ausverkauf entgegen. In einigen agrarisch geprägten Bundesstaaten im Süden Mexikos, etwa in Chiapas oder Oaxaca, nahmen die Konflikte phasenweise einen blutigen Verlauf an. Ganz unterschiedliche Bewegungen und Tendenzen stellen sich der Regierung des klerikal-konservativen Präsidenten Felipe Calderon entgegen. Es sind städtische soziale Bewegungen, die sich um den Mitte-Links-Kandidaten Andres Manuel Lopez Obrador gruppieren. Dazu kommt als bedeutendste regionale Kraft die "Volksversammlung der Völker Oaxacas" (APPO), der von Gewerkschaften initiierte "Nationale Dialog" sowie die von den Zapatisten lancierte "Andere Kampagne". Überdies verstärkten seit 2006 auch Guerillabewegungen ihre Aktivitäten erheblich. Heute sind sie wieder ein ernstzunehmender Akteur.
Recht instruktiv findet Rezensent Wolf-Dieter Vogel dieses Buch. Der Politikwissenschaftler Albert Sterr vermittelt darin für ihn jede Menge Wissen über die Opposition, über linke Initiativen, Parteien und Bewegungen Mexikos. So erkläre der Autor etwa die Bedeutung der Bewegung gegen die Privatisierung der Erdölindustrie Viele Informationen hat Vogel auch über den Präsidentschaftsanwärter 2006, Lopez Obrador, und die linkszentristische Partei PRD gefunden. Allerdings scheinen ihm manche Einschätzungen Sterrs zur Mexikanischen Linken "sehr optimistisch". Zudem kann er sich des Eindrucks nicht erwehren, der Autor übertreibe die Bedeutung von bestimmten Splittergruppen. Nichtsdestoweniger gelingt es Sterr nach Ansicht Vogels ein "interessantes Bild" der Linken in Mexiko zu zeichnen.
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