Erich Hackl

Als ob ein Engel

Erzählung nach dem Leben
Cover: Als ob ein Engel
Diogenes Verlag, Zürich 2007
ISBN 9783257065954
Gebunden, 160 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Mendoza, eine beschauliche argentinische Provinzstadt am Fuße der Anden. Der 8. April 1977 ist der letzte Tag, den Gisela Tenenbaum, 22, mit Sicherheit noch erlebt hat. Ihr weiteres Schicksal ist ungewiss.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.02.2008

Für Meike Fessmann ist Erich Hackl einer der wenigen deutschsprachigen Schriftsteller, der ohne in platte Meinungsliteratur zu verfallen, schon durch seine Erzählweise eine politische Haltung einnimmt. Hackl erzählt die Biografie der argentinischen Oppositionellen Gisela Tenenbaum, die wie zehntausende andere Menschen während der Militärdiktatur spurlos verschwand, in Romanform, auf Grundlage seiner Gespräche mit Familienmitgliedern, Freunden und Mitgliedern der Montaneros, der Widerstandsgruppe, der sich Tenenbaum als Studentin angeschlossen hatte, erklärt die Rezensentin. Daraus ergebe sich das Bild einer klugen, leidenschaftlich für Gerechtigkeit kämpfenden Frau, deren Schicksal erschüttere, ohne dass Hackl sentimental werde, wie Fessmann lobt. Und dass am Ende Fragen offen bleiben, macht die beunruhigende Nachwirkung der Lektüre aus, stellt die Rezensentin eingenommen fest.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.02.2008

Wie schon in seinem bisherigen Prosawerk stützt sich Ernst Hackl auch in seinem jüngsten Buch auf einen authentischen Fall, diesmal auf das Verschwinden der 22-jährigen Gisela Tenenbaum im Argentinien der Militärjunta 1977, teilt Franz Haas mit. Erschütternd sei das Schicksal der jungen Frau, die nach einer Razzia für immer verschwunden blieb, und der Autor erzähle davon ohne große künstlerische Raffinessen in nüchterner, sachlicher Sprache davon, stellt der Rezensent fest. Während am "moralischen Wert" der Erzählung nicht zu rütteln sei, ist sich Haas nicht sicher, ob das Werk auch literarisch bestehen kann, zumal manches durch die extrem zurückgenommene Erzählweise etwas "blass" bleibt, wie er beklagt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007

Eine von diesem Buch stark berührte Rose-Maria Gropp erzählt uns die Geschichte der Gisela Tenenbaum und ihrer Familie, die Erich Hackl hier vorgelegt hat, in ihrer Besprechung ausführlich nach. Tenenbaum, Tochter eines in Buenos Aires lebenden liberalen Ärzteehepaars, das in den Dreißigern aus Österreich emigriert war, hatte sich 1975 den linksgerichteten "Monteneros" in Argentinien angeschlossen. Zwei Jahre später verschwand sie. Ihr Schicksal ist bis heute ungeklärt. Gropp bewundert an diesem einer wahren Geschichte nacherzählten, "heißherzigen Buch" vor allem, dass Hackl nicht etwa eine Opfergeschichte erzählt. Er sei sich bewusst und respektiere, dass dieser "Engel" Gisela Tenenbaum auch rücksichtslos und verletzend sein konnte. Voller Anerkennung ist die Rezensentin zudem für die Konstruktion der Geschichte: Hackl zeichne ein Bild Tenenbaums, dass sich aus den verschiedenen Blicke und Stimmen derer zusammensetzt, die sie gekannt haben. Dieses Buch, so Gropp, "ist Erich Hackls schwierigstes, sein schönstes, vielleicht sein bestes Buch".
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