Herausgegeben von Richard Schroetter. Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl. Der Künstler und Schriftsteller Alberto Savinio wurde von der Gestalt des Nostradamus geradezu magnetisch angezogen. Die okkulten Neigungen des Arzt und Propheten lockten ihn wie ein geheimnisvoller Kontrapunkt zu den Werten der bürgerlichen Gesellschaft. In seiner essayistischen Biografie, entstanden 1938, zeigt er Nostradamus bei nächtlichen Séancen, bei der Zubereitung geheimer Tinkturen und im Zwiegespräch mit Dämonen. Sein Text ist eine glühende und nebulöse Verehrung, Nostradamus geht aus ihr als ein Mythos hervor.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.06.2019
Gleich zwei faszinierende Persönlichkeiten gibt es in Alberto Savinios Essay "Nostradamus" zu entdecken, freut sich Maike Albath: Zum einen, natürlich, den französischen Mediziner, der von Visionen heimgesucht wurde und Prophezeihungen machte, von denen sich nicht wenige bewahrheiteten. Zum anderen den Autor Saviano selbst, der als Schriftsteller, Komponist, Maler und nicht zuletzt jüngerer Bruder von Giorgio de Chirico im Paris der 1910er Jahre zum Kreis von Künstlern wie Cocteau, Picabia und Picasso zählte, berichtet die Rezensentin. Zum Thema Nostradamus kam Savinio rein zufällig, doch in die ästhetische Stimmung seiner Zeit passte der traumgetriebene Hellseher perfekt, wie Albath feststellt: "Nostradamus war Dada". Diese deutsche Erstausgabe von Savinios "leichtfüßigem Essay" kann die Rezensentin daher nur begrüßen.
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