Bei den Séancen des Albert von Schrenck-Notzing trifft sich im München des Fin de Siècle die gesamte Bohème. Unermüdlich erforscht der junge Freiherr mysteriöse Phänomene, schwebende Tische, Klopfgeräusche, vor allem aber Ektoplasma: Gebilde, die verschwinden, sobald sie mit Licht in Berührung kommen. Ein Stoff aus dem Jenseits, sagen die Geisterseher. Materielle Abspaltungen des Unbewussten, sagt der Freiherr. Schlicht und einfach Betrug, sagen die Wissenschaftler. Nach dem Tod seiner Frau Ella, der Liebe seines Lebens, reist er nach Haiti und verliert sich um ein Haar in den unbeleuchteten Winkeln der Weltgeschichte. Jan Schomburg holt einen gespenstischen Antihelden in unsere Gegenwart.
Rezensent Cornelius Wüllenkemper fühlt sich nicht schlecht unterhalten von Jan Schomburgs neuem Roman - immerhin. Mit "Die Möglichkeit eines Wunders" ist dem Autor und Filmemacher ein amüsantes Porträt gelungen, so Wüllenkemper - einer Zeit voller "spiritueller, technologischer und ideologischer Heilsversprechen" und eines Kindes dieser Zeit: des Sexualforschers, Suggestionstherapeuten und Parapsychologen Albert von Schrenck-Notzing. Allerdings hätte sich der Rezensent ein bisschen mehr erhofft als dies, oder besser gesagt: weniger. Die zahlreichen wilden Schauplätze, Themen und Spektakel, die Schomburg hier aufführt - bleiben für ihn größtenteils Kulisse, und die vielen verschiedenen Charaktere bewegten sich mit Ausnahme des Protagonisten "wie Statisten" durch diese bunte Pappwelt. Etwas weniger Staffage, etwas mehr Raum für die Figuren, und man hätte vielleicht tatsächlich eintauchen und literarisch teilhaben können an diesem bewegten Leben dieses eigentümlichen Menschen in dieser wirren Zeit, so der Rezensent.
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