Albrecht Wellmer

Versuch über Musik und Sprache

Cover: Versuch über Musik und Sprache
Carl Hanser Verlag, München 2009
ISBN 9783446232884
Kartoniert, 320 Seiten, 21,50 EUR

Klappentext

Musik gilt als eine Kunst, die ohne Begriffe auskommt. Von zufälligen Tönen aber unterscheidet sie sich durch Strukturen, die denen der Sprache ähneln. Albrecht Wellmer erkennt in den zentralen Werken der Musik des 20. Jahrhunderts den Versuch, sprachliche Strukturen möglichst zu vermeiden: Sie setzt, etwa bei John Cage, auf das Prinzip Zufall oder lässt, etwa bei Helmut Lachenmann, das Geräusch gleichberechtigt neben dem Klang gelten. Wellmer versucht, eine Philosophie für die Neue Musik zu entwickeln, die ihrer Vielfalt gerecht wird. Das Verhältnis von Musik und Sprache ist für ihn eine Schlüsselkategorie, um die Herausforderungen zeitgenössischen Komponierens zu beschreiben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2009

In einer gedankenreichen Besprechung setzt sich Rezensent Gustav Falke mit Albrecht Wellmers "Versuch über Musik und Sprache" auseinander. Er liest das Werk als Versuch "musikalische Erfahrungen auf den Begriff" zu bringen. Dabei betont er Wellmers Anspruch, die Philosophie sei notwendig, um unser Verständnis und unseren Umgang mit Kunstwerken, mit Musik zu verstehen. Die Diskussion der Analogie zwischen Sprache und Musik mit dem Ergebnis, dass es Ähnlichkeiten und Unterschiede gibt, wirkt auf ihn etwas umständlich, aber sie führt für ihn zur eigentlichen These, das Sein von Kunstwerken liege in ihrem Interpretiert-Werden. So hebt er auch den von Wellmer klar herausgestellten Punkt hervor, "dass erst das Zusammenspiel von Komponist, Musiker, Hörer, Wissenschaftler, Kritiker das Leben der Musik ausmacht".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.03.2009

Stefana Sabin zeigt sich in ihrer Rezension beeindruckt von der Musikalität, von der Albrecht Wellmers "Versuch über Musik und Sprache" zeuge. Wer derart "musikalisch höchstgebildet" ist, kann es sich nach Ansicht der Rezensentin durchaus erlauben, wie Wellmer in der ersten Person über Musik zu schreiben. Persönlich werden Wellmers Ausführungen, wie Stefana Sabin erklärt, auch dadurch, dass sie eine Auseinandersetzung mit der Musiktheorie seines Lehrers Theodor W. Adorno darstellen. Doch während Adornos These von der Sprachähnlichkeit der Musik für die moderne Musik nicht mehr gelte, nehme sich Wellmer gerade diese vor. Seine Kronzeugen sind, wie Stefana Sabin berichtet, John Cage und Helmut Lachenmann, die auf je eigene Art an der "Überwindung des traditionellen europäischen Musikbegriffs" gearbeitet hätten. In Absetzung von Adorno, der die Musik als Vorschein einer versöhnten Gesellschaftsordnung begreife, fordere Wellmer, dass die Musik sich von der aktuellen Wirklichkeit nicht abkapseln, sondern diese vielmehr in sich aufnehmen und sie dadurch kritisieren solle.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.03.2009

Dass ein angesehener deutscher Philosoph ein Buch über Musik veröffentlicht, findet Richard Klein für sich schon ein Ereignis. Das gab es seit Adorno nicht! Albrecht Wellmer hat also genau dies getan und, so erfahren wir, untersucht das Verhältnis von Musik und Sprache unter sprachphilosophischen, hermeneutischen und kritischen Gesichtspunkten. Das ist laut Klein unabdinglich für die Interpretation konkreter Musik, und so eindringlich wie Wellmer ist das bisher noch niemandem gelungen. Allein die Bedeutung des Komponisten John Cage erscheint dem Rezensenten überschätzt; das bedarf einer weiteren Diskussion, meint Klein.

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