Die Rolle der Sprache innerhalb der menschlichen Welt aus der gleichberechtigten Vielfalt ihrer Gebrauchsweisen zu verstehen: Das weit ausgreifende Buch von Martin Seel folgt dieser Maxime. Der Autor inszeniert einen Dialog zwischen einander widerstreitenden Philosophien der Sprache und des Geistes, um ihre Grenzen ein ums andere Mal zu überschreiten. Der erste Teil erzählt von zentralen Episoden der Geschichte des Sprachdenkens seit dem 18. Jahrhundert. Der zweite Teil argumentiert, Wittgenstein gegen den Strich beim Wort nehmend, für eine von irreführenden Hierarchien befreite Theorie sprachlicher Bedeutung. Der dritte Teil improvisiert über die bis dahin gesammelten Motive, um die Tiefen und Untiefen der durch Sprache geformten Wirklichkeiten des Spürens, Denkens und Handelns auszuloten. Ein Buch über Spiele der Sprache, so zeigt sich, darf selbst ein Spiel mit ihr sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.01.2024
Rezensent Helmut Mayer gibt zu, dass das Buch des Philosophen Martin Seel Seminarkost ist. Einen gewissen Nutzen für den Common Sense erkennt er aber dennoch, da der Autor dem Leser zunächst einen sprachphilosophischen Überblick verschafft, Schauplätze und Akteure von Derrida bis Searle vorstellt, bevor er Wittgenstein und seinen "Philosophischen Untersuchungen" seine Referenz erweist. Außerdem verzichtet Seel bei aller Komplexität seiner Darstellung auf "akademische Selbstgenügsamkeit", freut sich Mayer.
Viel lernt Rezensent Michael Wolf von Martin Seels Buch über Sprache und auch über Ludwig Wittgenstein. Wobei es sich hier, wie der Rezensent klar stellt, in erster Linie um ein akademisches Werk handelt, das sich, von einer kurzen Wittgenstein-Passage ausgehend, mit verschiedenen philosophischen Positionen in der Betrachtung von Sprache beschäftigt, von Platon bis Habermas. Die Fragen, die dabei verhandelt werden, sind durchaus kleinteilig, führt Wolf aus, aber stets, ganz im Sinne Wittgensteins, auf die Alltagssprache hin perspektiviert. Und auch Seel selbst schlägt sich, freut sich Wolf, stets auf die Seite der lebendigen Sprache, die durch Regeln und Dogmatismus, etwa hinsichtlich einer Ablehnung des Genderns, nicht zu bändigen sei.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…