Aus dem Amerikanischen von Henning Ahrens. Hemons neuer Band sind eigentlich zwei in einem, zusammengebracht in einem Wendebuch: Die Geschichte von Hemons Eltern, ihrer Immigration von Sarajewo nach Kanada und ein Buch mit kurzen Erinnerungen an die Familiengeschichte des Autors, an Freunde und eine wilde, unbeschwerte Kindheit in seiner Heimatstadt. Im Band über seine Eltern erzählt er von ihren Anstrengungen, von den stillen Versuchen seiner Mutter (Mama), die Familie zusammenzuhalten, von der fanatischen Imkerei seines Vaters (Tata) und bemisst beinahe beiläufig die Verluste, die die Hemons und ihre Landsleute erlitten haben. Hemon zeichnet das Porträt eines untergegangenen Landes, das allzu oft Spielball war.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.12.2021
Rezensentin Ilma Rakusa liest Aleksandar Hermons Doppelbuch aus Kindheitserinnungen an Sarajevo und Schilderungen des kanadischen Exils seiner Eltern mit Begeisterung. Ein Geschenk sieht sie in Hermons suggestiven, poetischen und humorvollen Reminiszenzen an Raufereien, duftendes Mädchenhaar und ratternde Trambahnen. Wie auch die Elterngeschichte sind sie für Rakusa mehr als nur private Spurensuche, sind voll Welthaltigkeit, sind exemplarische Geschichten über das Leben im Kommunismus und in der Fremde, über Emigration und die Frage nach der eigenen Identität.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 28.09.2021
Rezensent Jörg Plath freut sich, dass ihm Aleksandar Hemon hier gleich zwei Bücher in einem Band liefert, denn das erste Buch über die lange schon im kanadischen Exil lebenden Eltern, die dort nie heimisch wurden und jugoslawische Traditionen pflegen, weckt beim Leser laut Plath vor allem Rührung, keine Freude. Wilder und überraschender findet Plath das zweite Buch, in dem der Autor in kleinen Prosastücken Kindheits- und Jugenderinnerungen darbietet. Diese Lektüre findet Plath intensiv.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.09.2021
Rezensent Alex Rühle wird schnell klar, dass er es bei Aleksandar Hemons zweigeteiltem Buch mit entschieden subjektiven Geschichten zu tun hat. Über Heimat, Vertreibung, Exil, Identität und Wahrheit erzählt der Autor laut Rühle anhand seiner eigenen Familie, die aus Sarajevo nach Kanada floh, aber dort nie heimisch wurde. Hermons Geschichte setzt auf Erinnerungen und zu einem nicht geringen Teil auf Legenden über das frühere Leben der Eltern und die eigene Kindheit, erläutert der Rezensent. Dass die Figuren im Text dadurch zu "bizarren Phänomenen" werden, die in der Fremde an ihren Traditionen festzuhalten versuchen, erscheint dem Rezensenten durchaus reizvoll.
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