Aus dem Slowenischen von Matthias Göritz. Zur Karnevalszeit im Jahr 2012 ist das slowenische Maribor Kulturhauptstadt Europas. Lokalpolitiker und Selbstdarsteller versuchen Profit daraus zu schlagen, jede erdenkliche Kunstform wird vermarktet. In den Medienrummel mischen sich der aus Maribor stammende Dramaturg Adam Bely und die kubanisch-österreichische Journalistin Rosa Portero. Das seltsame Paar verfolgt jedoch eine geheime Mission. Die beiden sind einer bösartigen Verschwörung auf der Spur und wollen deren dreizehn Anhänger entmachten. Dabei begegnen sie einer Vielzahl von Maribors wichtigsten Bürgern, allesamt verstrickt in ein Netz aus Korruption und Lügen. In der Tradition von Bulgakow, Gogol und Kafka lässt Aleš Šteger die Kräfte des Guten und des Bösen aufeinander prallen, seziert in seinem literarischen Thriller die verrottete Gesellschaft des schönen Scheins. Sein Debütroman voller schräger Gestalten und mit einem sich grotesk steigernden Plot entpuppt sich als Reise in das Herz der Finsternis Europas.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.07.2016
Jörg Magenau hat eine zähe Lektüre hinter sich. Aleš Šteger Roman kommt nicht vom Fleck, meint er. Dass der Autor auf diese Weise den Stillstand in seiner Heimat Slowenien abbilden möchte, scheint Magenau nicht zu befriedigen. Auch die am osteuropäischen magischen Realismus sich orientierenden Fantastik mit Cyborgs, Raumschiffen und Geheimbünden besänftigt Magenau nicht. Wenn der Autor mit der Darstellung von Magie Bewusstseinsvorgänge schildert und die Unfähigkeit zur Erinnerung in seinem Land kritisiert, vermisst Magenau eine lebendige Geschichte. Stattdessen bekommt er viel Geheimnis, einen mechanischen, repetitiven Ablauf und flinke Szenen und Dialoge, die sich aber zu keiner Handlung summieren, nörgelt der Rezensent.
Für Richard Kämmerlings ist Aleš Šteger der wichtigste slowenische Schriftsteller einer ganzen Generation. In seinem neuen Roman diene die vordergründige Fantasy-Handlung vor allem dazu, satirisch mit der aktuellen Lokalpolitik Maribors abzurechnen. Europas Kulturhauptstadt des Jahres 2012 mutiere hier zu einem mythisch-grotesken Ort, so Kämmerlings, in dem sogar eine Teufelsgestalt auftauche. Der Rezensent bedauert, dass der deutsche Leser nicht alle Pointen verstehen wird, erfreut sich aber trotzdem am Aberwitz des Buches sowie an den darin enthaltenen Anspielungen auf die Weltliteratur. Ernsthaftes wie auch Komisches habe Šteger gekonnt "durch den Fantasyfleischwolf seines sehr klugen und lustigen Romans gedreht", bilanziert der Kritiker.
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