Aus dem Schwedischen von Hanna Granz. "Wie kann ich nach alldem noch ihr Sohn sein, und sie meine Mutter?" Es ist Sommer. Alex Schulman kommt ins Landhaus seiner Mutter, um sie davon abzuhalten, sich zu Tode zu trinken. Und sie zu überzeugen, sich in eine Entzugsklinik einzuweisen. Und er fragt sich: Was genau ist passiert, wie ist aus der schillernden, liebevollen Mutter dieses geisterhafte Wrack geworden? In Erinnerungen erzählt Alex Schulman vom Auseinanderbrechen der Beziehung zwischen Mutter und Sohn und vom verzweifelten Versuch des erwachsenen Kindes, ihr die Hand zu reichen, als die Kluft zwischen ihnen am größten ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.06.2025
Sehr bewegt liest Rezensentin Petra Pluwatsch diese in Schweden 2016 veröffentlichte und mit Preisen ausgezeichnete Biografie von Alex Schulman. Es geht um die Alkoholsucht der Mutter, einer bekannten schwedischen Fernsehmoderatorin - und um die Folgen der Sucht für das Leben ihres Sohnes. Von kleinen Anzeichen liest die Kritikerin hier ebenso wie von Ausrastern und Attacken den Söhnen gegenüber, außerdem vom Vertuschen und Wegsehen des Vaters. Eineinhalb Jahre vor ihrem frühen Tod mit 64 ist die Mutter trocken, es kommt zur Annäherung mit Sohn Alex, aber nie zur Aussprache, resümiert die Kritikerin. Hier wird nichts "beschönigt", schließt sie.
Alex Schulmans "Vergiss mich" überzeugt den Rezensenten Christoph Schröder zwar weder durch erzählerische Originalität, noch durch dramaturgische Raffinesse. Und wäre es ein Roman, würde Schröder diesem wohl auch eine Tendenz zur Sentimentalität diagnostizieren, vor allem gegen Ende. Doch Schulmans rein autobiografischer Text ist und will etwas anderes, erkennt der Rezensent und legt daher andere Maßstäbe an. "Geradlinig", unkompliziert und aufrichtig erzählt der Autor hier von dem Verhältnis zu seiner alkoholkranken Mutter und den Mustern in diesem Verhältnis, welche die Beteiligten bis weit ins Erwachsenenalter Schulmans immer wieder reproduzieren. Indem er seinen Schilderungen von Situationen der Gegenwart oder jüngsten Vergangenheit jeweils Erinnerungen aus seiner Kindheit und Jugend gegenüberstellt, macht er diese Muster und ihre Auswirkungen auf das Kind, den Teenager, den erwachsenen Menschen sichtbar, lesen wir. Hier geht es also weniger darum, eine gute Geschichte zu erzählen, als darum, das Bild eines Abhängigkeitsverhältnisses zu zeichnen. Und dies gelingt dem Autor, so Schröder. Am Ende ist man davon nicht nur "mitgenommen", sondern "angerührt."
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