Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg. Ole Jastrau, ehemals aufstrebender Lyriker, inzwischen Literaturkritiker bei einer liberalen Kopenhagener Tageszeitung, gerät vor unseren Augen aus dem Tritt. Es ist der Nihilismus seiner Zeit, der an ihm nagt, aber noch viel mehr ist es sein maßloser Alkoholkonsum, der ihn in einem unaufhaltsamen Abwärtsstrudel in die Tiefe zieht. Seine Ehe mit Johanne und sein geliebter Sohn Oluf, seine Anstellung bei der Zeitung und seine bürgerliche Stadtwohnung: Nichts hält dem Absturz stand, alles wird für den Rausch aufs Spiel gesetzt. Bei Erscheinen sah sich "Absturz" wütenden Attacken ausgesetzt. Eine "nahezu unerträgliche Schmähschrift" sei es, in der eine "Orgie arroganter Selbsterniedrigung" geschildert werde - gleichzeitig wurde er von Autorenkollegen und der jüngeren Generation gefeiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2023
"Die Anatomie eines umfassenden Besäufnisses" liest Rezensent Stephan Opitz in dieser Neuausgabe von Tom Kristensens Roman, die für ihn großer Anlass zur Freude ist. Im Zentrum der Geschichte steht der Redakteur Ole Jastrau, erfahren wir, der in den 1920er-Jahren für eine große dänische Zeitung arbeitet, aber eigentlich lieber Schriftsteller wäre - da gibt es durchaus Parallelen zum realen Autor, weiß Opitz. Vielmehr als um den journalistischen Arbeitsalltag aber geht es um die Auswirkungen des Alkohols und der Sucht, die zerstörerisch sein können, "alle Facetten final gemeinten Saufens" finden Eingang in dieses Buch, das schon von Knut Hamsun hoch gelobt und nun von Ulrich Sonnenberg bravourös übersetzt wurde, lobt der begeisterte Kritiker.
Seinerzeit ein großer Skandal: In der Neuauflage des 1930 erstmals erschienen Romans des dänischen Autors Tom Kristensens fällt es Rezensent Peter Urban-Halle schwer, den Autor von der Romanfigur Ole Jastrau zu trennen. Beide sind Journalisten, stecken in einer Ehekrise, stehen unter einem enormen Leistungsdruck und haben Angst von ihren Kollegen hintergangen zu werden, bemerkt Urban-Halle. Beide sprechen immer mehr dem Alkohol zu, verherrlichen diesen mit der Zeit sogar, nachdem weder Religion noch politische Ideologie helfen, erfahren wir. Das Buch spiele eben auch in einer Welt der "Desillusionierung", was für den Kritiker den "ruhelosen Stil" erklärt. Sogar der "Wille zur Selbstzerstörung" verlässt letztlich zumindest die Romanfigur, das Ende bleibt offen, resümiert Urban-Halle, für den dieser Roman über einen komplexen, depressiven Mann eine tolle Wiederentdeckung ist.
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