Alexander Ilitschewski

Matisse

Roman
Cover: Matisse
Matthes und Seitz, Berlin 2015
ISBN 9783957570031
Gebunden, 427 Seiten, 26,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Friederike Meltendorf und Valerie Engler. Der besessene Physiker Koroljow, aufgewachsen in verschiedenen Kinderheimen der Sowjetunion, findet sich in den Wirren der Umbruchszeit Anfang der neunziger Jahre in Moskau nur schwer zurecht. Während all seine Freunde und Kollegen das Land verlassen oder umkommen, bleibt der mit außergewöhnlichen Sinnenfähigkeiten ausgestatte Naturwissenschaftler in der chaotischen Stadt, schlägt sich mit abwegigen Jobs durch, lernt die beiden Obdachlosen Nadja und Wadja kennen und führt schließlich selbst das Leben eines Obdachlosen. Alle materiellen Sicherheiten ablehnend, begibt sich Koroljow - sehsüchtiger Verehrer der Bilder Henri Matisses, Pilger und heiliger Narr - auf Reisen, verlässt die Stadt und sucht auf dem Land, in der russischen Weite, Tiefe und Heil.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.02.2016

Den Namen Alexander Ilitschewski will Ulrich M. Schmid sich merken. Für ihn ist der Autor Vertreter einer neuen russischen Literatur, ein Meister des Wortes wie Tschechow und Babel. Den im Original 2007 erschienenen Roman hält er für äußerst wichtig, gerade weil Ilitschewski mit seinem Porträt der russischen Wendezeit ab 1993 nicht auf Handlung setzt, sondern auf historische Exkurse, unbekannte Biografien, kosmologische Theorien und atemberaubende Landschaftsbeschreibungen. Den Verlust aller Gewissheiten kann ihm der Autor exemplarisch anhand der Figur des Physikers Koroljow nachzeichnen, den es buchstäblich in den Untergrund zieht, als "postmodernen Höhlenforscher". Dass Ilitschewski keine Tragödie schreibt, sondern Koroljows Entwicklung als Reise zum authentischen Ich beschreibt, scheint Schmid das Erstaunliche an diesem Anti-Bildungsroman.
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