Giulio Clovio, der 1516 nach Italien ausgewanderte und dort zum berühmtesten Miniator seines Jahrhunderts gewordene Kroate, tat Ungewöhnliches noch angesichts seines nahenden Tods. Nicht nur vermachte er dem Kardinal Alessandro Farnese, dem er vier Jahrzehnte lang gedient hatte, fast seinen gesamten zeichnerischen Besitz. Er sorgte auch dafür, dass dieses Vermächtnis noch in seiner Anwesenheit zum Gegenstand eines Inventars gemacht wurde. Diesem zufolge erbte der Kardinal, in dessen Sammlungen lose Zeichenpapiere bis dahin fehlten, über 650 auf vier Mappen und acht Bündel verteilte Einzelblätter, fast 500 davon bezeichnet von Clovio selbst, die restlichen von den in dessen eigener Kollektion vertretenen Künstlern. Dem Vermächtnis blühte ein trauriges Schicksal.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 13.11.2014
Michelangelo oder doch "bloß" Giulio Clovio, der "kleine Michelangelo"? Diese kunstgeschichtlich durchaus brisante Frage vermag Franz Zelger mit Alexander Perrigs Buch nun besser zu beantworten. Der Michelangelo-Experte zeichnet auf Basis "akribischer" Studien und "stupender" Sachkenntnis laut Rezensent hiermit erstmals nach, wie Clovios Sammlung mit Nachzeichnungen von Grafiken Dürers und Michelangelos im Laufe der Zeit, vor allem im 17. und 18. Jahrhundert, geschrumpft bzw. verändert wurde. Das Ergebnis findet Zelger überzeugend.
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