Karma
Roman

Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN
9783498001278
Gebunden, 304 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Brandenburg, im Herbst 2033. Mit einem Festakt werden die führenden Köpfe der Omen SE, des wertvollsten deutschen Technologieunternehmens, in den Ruhestand verabschiedet. Für sie bricht das Zeitalter der Muße an, "die Zeit der Melonen und Feigen". Gläserne Smarthouses stehen in der unternehmenseigenen Siedlung am Auensee bereit. Dort finden sie zu sich, sie kommen zur Ruhe. Doch am Himmel über den Endmoränen kündigt sich schon ein Wetterleuchten an …Alexander Schimmelbusch führt uns an einen Ort in naher Zukunft, wo erschöpfte Bildungsbürger und die Anhänger neuer Diktaturen allein sind mit ihrer Wut und ihrer Sehnsucht, mit invasiven Arten und Technologien. "Karma" ist eine Zukunftsvision, ein Gesellschaftsroman, dem es um nicht weniger geht als "das gute Leben". Aber was ist gut? Wer entscheidet, und wer richtet über wen? Und was richtet sie an, die Anziehung, die Verachtung, auf allen Seiten?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.08.2024
Mit Michel Houellebecqs Werk vergleicht Rezensent Jan Wiele Alexander Schimmelbuschs neuen Roman, und er meint es als Lob. Denn wie der Franzose bekommt auch Schimmelbusch Wiele zufolge unsere Gegenwart mithilfe einer wunderbar zynischen Erzählstimme zu fassen und arbeitet sich an zeitgenössischer Dekadenz ab. Im Zentrum des Science-Fiction-Plots steht das deutsche IT-Unternehmen Omen, das im Jahr 2033 die weltweite Konkurrenz abgehängt hat und, erfahren wir, unter anderem mit einem KI-Assistenten namens Dieter reüssiert. Die Satire, die Schimmelbuschs Roman auffaltet, arbeitet sich, beschreibt der Rezensent, unter anderem an gleichzeitig verlotterten und genussfreudigen IT-Eliten ab - aber auch am Deutschtum, etwa wenn eine Firmenchefin wider Anglizismen wettert oder die Aufrüstung Deutschlands beschworen wird. Ein wenig plakativ geht es bisweilen zu, gesteht Wiele ein, in dieser Darstellung eines neuen digitalen Faschismus. Insgesamt jedoch fällt das Fazit positiv aus: Schimmelbusch ist, lobt Wiele, ein Buch gelungen, das in sehr zeitgemäßer Manier die Grenzen der Ästhetik und Moral auslotet.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 31.08.2024
Eigentlich hat Rezensent Maximilian Mengeringhaus schon nach wenigen Seiten genug von Alexander Schimmelbuschs neuem Roman, denn die Stoßrichtung ist sofort klar und der Effekt abgenutzt: Im Deutschland des Jahres 2033 herrschen vor allem die Verbote, alle werden abgehört und nur die Superreichen können es sich leisten, all diese zu umgehen, seufzt Mengeringhaus. Die überdick aufgetragene Satire ist in weiten Teilen leider "überkandidelt", der Humor angestrengt und insgesamt sorgt der Text samt seiner Stilblüten beim Kritiker dafür, das Buch wieder zuklappen zu wollen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 08.08.2024
Ein hochinteressantes Buch hat Alexander Schimmelbusch laut Rezensent Adam Soboczynski geschrieben, aber leider keinen guten Roman. Zeit der Handlung ist das Jahr 2035, Deutschland ist wider alle Wahrscheinlichkeit zum KI-Giganten aufgestiegen und hat unter anderem die Firma Omen SE hervorgebracht, aus deren Mitarbeiterschaft sich ein Großteil des Romanpersonals rekrutiert. Unter anderem, zählt Soboczynski auf, wäre da eine CEO, die mit Schwulstmetaphern um sich wirft, der Chef der Entwicklungsabteilung, der mit ihr ins Bett geht, zwei Lesben, die selbstoptimierungstauglichen Wein verkaufen und einige mehr. Soboczynski pendelt bei der Lektüre zwischen Depression, Sex und Wellness hin und her, darunter jedoch kommt eine knallharte sozialdarwinistisch-faschistische Sozialstruktur zum Vorschein, notiert er. Denn es geht um Selektion, und selektieren dürfen in dieser Zukunftsvision vor allem die Frauen. All das fügt sich zu einer anregenden Spekulation über die Zukunft deutscher Ideologeme, gesteht Soboczynski Schimmelbusch zu - aber es füge sich eben nicht zu einem guten Roman. Einen Plot im engeren Sinne gibt es kaum, die Figuren entwickeln sich nicht, bleiben Abziehbilder einer entseelten Gesellschaftsordnung, kritisiert Soboczynski, dem auch Schimmelbuschs beim Managersprech abgeschauter Nominalstil auf die Dauer zu viel wird. Kluge, bedenkenswerte Thesen sind in diesem Buch enthalten, so das Resümee, aber die Übersetzung in die Fiktion will nicht recht funktionieren.