Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783803133854 Gebunden, 192 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Frank Sievers. Als seine koreanische Freundin eines Abends wie nebenbei fallen lässt, dass sie einen "gefrorenen Onkel" in Kanada habe, wird der Erzähler hellhörig. Er spürt, dass er sie nur dann wirklich verstehen wird, wenn er ihre Herkunft versteht. Und Minkyung macht sich, leicht widerstrebend, mit ihm auf die Suche. Manch kulturelle Verschiedenheit und entzückende Sprachhürden erschweren den Zugang zur koreanischen Realität und Geschichte und zu den geschwärzten Stellen in der Familienbiografie. Und doch nähert sich das Paar im verliebten Streit- und Zwiegespräch vielen unbeantworteten Fragen: Weshalb schickt ein Vater seine Söhne so weit fort? Erst nach China, dann nach Übersee? Welche Hoffnung liegt in Kanada für einen Menschen aus Südkorea? Weshalb ist der Onkel geflohen, weshalb erfroren? Und: Kann man absichtlich den Verstand verlieren?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2026
Rezensent Steffen Gnam ist voll des Lobes angesichts des 3-Generationen-Romans von Alexandre Labruffe. Der Autor schreibt laut Gnam einen Mix aus Detektiv- und Liebesgeschichte und koreanischer Historie mit Prosa- und Lyrik-Elementen und lässt Einflüsse von Duras oder Murakami erkennen. Die Spurensuche des Erzählers führt über einen koreanischen Patriarchen und Auswanderer bis zum Tod von dessen Sohn und berührt koreanische Kultur und das Schicksal Flüchtender, erklärt Gnam. Den Rezensenten rührt die interkulturelle Liebesgeschichte im Text ebenso wie die tragikomische Auswanderergeschichte: alles Zutaten für eine "heilende Psychogenealogie Koreas". Sprachlich originell ist das außerdem, dabei mit "tragikomischem existentialistischen Drive" erzählt - eine unbedingte Empfehlung.
Rezensent Cornelius Wüllenkemper liest Alexandre Labruffes Roman insgesamt gern. Das Buch beruht auf wahren Ereignissen, der Erzähler ist eine Version des Autors, er begibt sich auf die Spur des in den 1970er Jahren in Toronto verstorbenen Onkels seiner koreanischen Freundin. Tief dringt der Erzähler in die Geschichte einer koreanischen Familie ein, immer wieder geht es, teils in poetisch verfremdeten Passagen, um Gefühle der Fremdheit und des Schams im Exil. Teilweise attackiert Labruffe die Eigenheiten der koreanischen Familie etwas zu vehement, findet Wüllenkemper, der sich außerdem über das eine oder andere exotisierende Klischee in der Beschreibung der koreanischen Freundin mit ihrem "sexy Satzbau" ärgert. Letztlich jedoch ist Labruffe hier, schließt die Besprechung, ein schön verschrobenes, spielerisches Stück Autofiktion gelungen.
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