Werner Pfennig

Geteilte Nationen

Deutschland, China, Taiwan, Korea und Zypern im Vergleich
Cover: Geteilte Nationen
De Gruyter Oldenbourg Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783111431499
Gebunden, 642 Seiten, 59,95 EUR

Klappentext

Chancen für die gewaltlose Vereinigung geteilter Nationen bestehen, wenn alle Beteiligten sie wollen: diejenigen, die von der Teilung bislang profitierten, ebenso wie alle von ihr Betroffenen, zumeist die Leidtragenden. Kurz gesagt, es muss zu einem Nutzenwandel der Teilung kommen. Nach 20 Jahren Entspannungs- und Ostpolitik gab es 1990 eine Situation, die ein vereintes, in Europa integriertes, Deutschland als besser für Frieden und Stabilität erscheinen ließ als dessen Teilung, welche ihren Nutzen verloren hatte. Deutschlands Normalisierungsprozess stößt in China, auf Taiwan und Zypern sowie in Korea auf großes Interesse. Seine Relevanz wird jedoch unterschiedlich eingeschätzt: als ein in Teilen anzustrebendes Modell oder aber als Tragödie. Nordkorea möchte eine solche Entwicklung auf jeden Fall vermeiden, Taiwan strebt ein gutnachbarschaftliches Verhältnis zur Volksrepublik China an, aber keine Wiedervereinigung. Die Republik Zypern wünscht sich eine Vereinigung wie in Deutschland. Die Türkische Republik Nordzypern möchte durch Normalisierung Anerkennung erreichen und eine möglichst lockere Konföderation. Nach wie vor ist der Entspannungs- und Vereinigungsprozess Deutschlands in diesen Ländern ein genau studierter Untersuchungsgegenstand, allerdings mit sehr selektiver Wahrnehmung. Zukünftige Entwicklungen zwischen der Volksrepublik China und Taiwan sowie auf der koreanischen Halbinsel werden auch direkte Auswirkungen auf Deutschland haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2024

Nicht komplett glücklich wird Rezensent Daniel Siemens mit Werner Pfennigs Buch über die Teilung von Nationen sowie deren mögliche Überwindungen. Der Politikwissenschaftler Pfennig geht, so Siemens, seines Zeichens Historiker, von der deutschen Teilung sowie Wiedervereinigung aus und fragt sich, in wieweit sich die hier gemachten Erfahrungen übertragen lassen. In einem komparatistischen Ansatz beschäftigt er sich dann, erfahren wir, mit den Fällen China/Taiwan, Korea und Zypern. Dass Pfennig ethnisch homogene Nationalstaaten zum Normalfall der Staatenbildung erklärt, hält Siemens für problematisch, unter anderem weil nicht immer klar ist, wer zu den so entstehenden Staaten gehört und wer nicht. Auch historisch sind die gewählten Beispiele in dieser Hinsicht komplex, erläutert Siemens, dem allerdings gefällt, dass Pfennig in seine Analyse auch die Interessen anderer Länder einbezieht, die oftmals der wahre Grund für fortgesetzte Teilungen sind. Insgesamt ist der Rezensent von der Arbeit nicht wirklich überzeugt, vor allem, weil viele wichtige Fragen nicht angemessen ausführlich behandelt werden und die Bezüge zwischen den Beispielen oft vage bleiben. So stehen, moniert Siemens, am Ende eher banale Erkenntnisse.

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