Auch in "Stundenholz", seinem dritten Gedichtband, reichert Alexandru Bulucz individuelle Erfahrungen und Lektüreeindrücke mit Funden aus dem kollektiven Gedächtnis der Kulturen an, die sein Leben und seine Poetik bestimmen: der rumänischen und der deutschen. Ausgeprägter als bisher ist unter anderem sein ethnografisches Interesse an Manifestationen kindlicher Autonomie wie dem aus der Not geborenen Kinderspiel(zeug) im Rumänien der Neunzigerjahre. Dem stellt er nicht nur das Erleben von Fremdbestimmung, sondern auch das allem entrückte, in Mythen gleitende karpatische Landleben mit seinen unwirklich anmutenden Gestalten wie der Urgroßmutter "Majka" zur Seite. Von Klängen des Stundenholzes getragene Erzählgedichte, sprachanalytische Gedichte oder solche, die lakonisch etwas behaupten, werden in Fußnoten, Kommentaren und Kurzessays fortgeführt und geben Einblick in den literarischen Schaffensprozess.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.05.2024
Rezensent Geertjan de Vugt lässt sich gern von Alexandru Bulucz die Stunde schlagen. Vom Stundenbrett zum Hammer ist es für den Rezensenten nur ein Schlag, und so horcht er in diesen Gedichten auf Echos, die das Hämmern erzeugt, wie er glaubt. Natürlich findet er sie auch - in Paronomasien, Klangähnlichkeiten, aber auch inhaltlich in Erinnerungen des Autors an den Vater, die Jugend in Siebenbürgen und die rumänische Nachkriegszeit, die darin fortwirkte. Mal klingt darin für de Vugt Kafka an, dann wieder Mircea Eliade. Dass Bulucz nicht davor zurückschreckt, die eigenen Gedichte in seinen Texten zu kommentieren und ins Erzählerische und Essayistische hinüberzugleiten, stört den Rezensenten nicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2024
Alexandru Bulucz erweist sich mit diesem Band laut Rezensent Christian Metz als ein Dichter ersten Ranges. Als einer noch dazu, der laut Metz nicht davor zurückscheut, sich selbst vermittels geschickter Sprachspiele in eine Verbindung mit Franz Kafka zu setzen. Gelegentlich geht es auch schon mal um Michael Jordan oder Berliner Schildkröten, im Zentrum steht jedoch Autobiografisches, Erinnerungslyrik, die in Rumänien angesiedelt ist, resümiert Metz. Kindheit und Familie spielen eine wichtige Rolle, erfahren wir, auch Helden des rumänischen Sports tauchen im Text auf. All das entfaltet sich zu einem wohlproportionierten Buch, auf das der Rezensent mit großer Bewunderung blickt.
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