Alexej Slapovsky

Der heilige Nachbar

Roman
Cover: Der heilige Nachbar
Claassen Verlag, München 2003
ISBN 9783546002165
Gebunden, 320 Seiten, 21,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Alfred Frank. Im russischen Provinznest Polynsk ist Iwan Nichilow als harmloser Verrückter bekannt - bis er eines Tages einen ungeheuerlichen Stein ins Rollen bringt: Er behauptet steif und fest nachweisen zu können, dass sein Nachbar Pjotr Salabonow die Wiederauferstehung von Jesus Christus ist. Belustigt weist Pjotr diese Idee weit von sich, aber Iwan trotzt ihm immer weitere "Beweise" ab, und bald weiß Pjotr selbst nicht mehr, was er von dieser absurden Sache halten soll. Unterdessen spricht sich die Kunde von dem wiederauferstandenen Jesus wie ein Lauffeuer in der Provinz herum, und die Menschen pilgern zu Pjotr, damit er an ihnen Wunder wirke. Nicht immer gelingen seine Heilungen, doch immerhin schafft er es zur Freude einiger Trunkenbolde, in einer Kneipe Wasser in Wodka zu verwandeln...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2003

Der 1957 geborene Autor Alexej Slapovsky hat sich mit einem Thema versucht, dass seit Dostojewski immer wieder in der russischen Literatur aufgetaucht ist: die Wiederkunft Jesu Christi. Leider mit wenig Erfolg, findet Rezensent Ulrich M. Schmid. Zu groß sind seiner Meinung nach die Konzessionen an den Publikumsgeschmack der neunziger Jahre, und der moderne Jesus sei bei Slapovsky eine Mischung aus James Bond und Arnold Schwarzenegger. Eine "tiefgründige Analyse der geistigen Lage der Nation" gehe in zahlreichen Liebesabenteuern, Raufereien und Saufereien unter, bedauert Schmid.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2003

Burkhard Müller verspritzt Gift, und das nicht zu knapp: "Es scheint unfair", hebt er an, "Alexej Slapovskys Roman (...) an Dostojewskijs Geschichte vom Großinquisitor zu messen" - doch es müsse sein, schon deshalb, weil der Autor als Hoffnungsträger der russischen Literatur gefeiert wird. Vor allem aber wegen der Geschichte, denn es geht bei beiden um eine Wiederkehr Christi: Dostojewskij habe allerdings gewusst, dass man Jesus auf keinen Fall als realistische Figur auftreten lassen dürfe, Slapovsky dagegen tue genau das und trottele munter und bedenkenlos hinein in das "Elend" seines Romans "mit seinen kärglichen Wünderlein". "Leben und Leiden Christi werden Station für Station als Travestie abgehakt", fasst Müller die Handlung zusammen, doch amüsiert war er davon nicht - eher ein wenig erbost. Was soll das, fragt er, Jesus als Playboy darzustellen? In der Bibel sei er zwar auch ein Lady?s Man, doch da ging es darum, die Frauen zunächst als Mann anzuziehen, um sie dann auf seine das Erotische auslöschende Göttlichkeit prallen zu lassen. Oder die Idee, Wein durch Wodka zu ersetzen! Das sei noch nicht einmal mal witzig, schimpft Müller und verrät, wie er sich den Autor vorstellt: als "phantasieleeren, kleinherzigen Schmunzler." Dostojewskij? Niemals!

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