Wassili Grossman

Stalingrad

Roman
Cover: Stalingrad
Claassen Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783546100137
Gebunden, 1280 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Christiane Körner, Maria Rajer und Andreas Weihe. April 1942, der Deutsch-Sowjetische Krieg tobt seit einem Jahr, doch im Hause der Familie Schaposchnikow mag man nicht glauben, dass die deutschen Truppen bis nach Stalingrad vorrücken könnten. Dann aber schlägt die Rote Armee ihre Lager dort auf, und die scheinbar noch ferne Bedrohung ist plötzlich grausame Wirklichkeit. Die zahlreichen engeren und fernen Mitglieder der Familie Schaposchnikow müssen sich mit dem Alltag des Krieges auseinandersetzen. Wassili Grossman entfaltet ein gigantisches Panorama Russlands, seiner Menschen und Landschaften. Nach der Entdeckung von "Leben und Schicksal" kann nun endlich der erste Teil des als Dilogie konzipierten Werkes entdeckt werden.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 17.12.2021

Geradeheraus sagt es Rezensent Martin Sander: Wassili Grossmans "Stalingrad" ist eines der wichtigsten Bücher über den deutsch-sowjetischen Krieg, und was er zu bieten hat, das holt der Verlag mit der ersten deutschen Ausgabe auch heraus. Die Schwierigkeit dabei war, aus den diversen Fassungen des Fragment gebliebenen zweiten Teils von "Stalingrad" die wichtigsten Elemente auszuwählen und zusammenzustellen, was den Herausgebern bravourös gelungen ist, findet Sander. Mit Spannung folgt er dem Alltagsleben, den Sorgen und Auseinandersetzungen der verschiedenen Figuren, vor allem denen der Familie Schaposchnikow, die im Zentrum dieses Romans steht. Ihre ambivalenten Gefühle und Meinungen machen sie lebendig und stehen im Kontrast zur pathetisch zur Schau getragenen Systemtreue anderer Protagonisten. Überhaupt, stellt Sander fest, ist dieser Roman von Widersprüchen geprägt. Selbst die Deutschen sind hier ambivalente Persönlichkeiten mit psychologischer Tiefe. Vor allem aber ist es der Wechsel zwischen "sowjetischem Kriegspathos" und "Gesellschaftskritik", der diesem Roman seine besondere Spannung und Authentizität verleiht, so der begeisterte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.12.2021

Die Publikationsgeschichte von Wassili Grossmans "Stalingrad"-Epos ist für Rezensent Ulrich M. Schmid auch die Geschichte einer "literarischen Verstümmelung". Kenntnisreich rekonstruiert Schmid in seiner Besprechung, wie Grossman von seinen Erfahrungen als Kriegsreporter im Zweiten Weltkrieg geprägt wurde, wie er sich von Stalin abwandte und welche Veränderungen die sowjetische Zensur an diesem Roman verlangte, der dann aber erscheinen konnte: mehr Stalin, mehr Heroismus, weniger jüdische Wissenschaftler. Die nun vorliegende Fassung des Herausgebers Robert Chandler beruht auf einer Edition von 1956, sie enthält erkennbar kritische Passagen über die sowjetische Lebenswirklichkeit, aber auch noch die positive Darstellung von Stalins berüchtigtem Befehl "Kein Schritt zurück!" Schmid sieht also in diesem erschütternden, tief bewegenden Roman durchaus noch propagandistische Stellen, aber auch schon die Größe des an Tolstoi geschulten Literaten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2021

Rezensent Paul Ingendaay ist begeistert von Wassili Grossmans Roman, den er zusammen mit Grossmans "Jahrhundertroman" "Leben und Schicksal" als großartiges Gesellschaftsporträt der Sowjetunion und Epos über den deutsch-sowjetischen Krieg liest. Wie der Autor durch alle Gesellschaftsschichten zeigt, was Totalitarismus und Krieg anrichten, in bestem literarischen Realismus, mit einer weit gespannten Handlung voll unterschiedlichster Schicksale, scheint Ingendaay meisterlich. Besonders gekonnt scheint ihm Grossmans teilnehmende Figurenzeichnung in wenigen Strichen. Dass der Autor sich bisweilen zu einer Feier des einfachen sowjetischen Menschen im Kampf gegen Hitler versteigt, ist für den Rezensenten der einzige Wermutstropfen.
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