Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.01.2003
Halb rhetorisch fragt sich Gustav Seibt zu Beginn seiner Rezension, ob Alfred Döblin besseres geschrieben hat als diese, auf Anregung des Verlags "Die Schmiede" entstandene, auf einer wahren Geschichte beruhende Erzählung. Im Mittelpunkt steht eine schreckliche Untat: eine junge Frau vergiftet, mit Hilfe ihrer besten Freundin, ihren Mann. Döblin hat recherchiert und berichtet, ohne je den Geschehnissen eine psychologisch trivialisierende Interpretation aufzunötigen. Es geht um die Schilderung "äußerer Umstände", die nie ganz ins Verstehen aufgelöst werden. Findet Seibt die Erzählung schon grandios, so gefällt ihm die um ein Drittel gekürzte Hörbuch-Version noch besser. Die Streichung der "reflektierenden Schlussworte" erzeugt noch stärkere Wucht, das ist das eine. Vor allem aber lobt der Rezensent hymnisch das Können des Vorlesers Dieter Mann, der seiner Meinung nach in Deutschland seinesgleichen nicht hat. Das Ergebnis ist dank seiner Kunst, so Seibt, zugleich "zum Entzücken" und "zum Fürchten".
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