Alfred Neven Dumont (Hg.)

Jahrgang 1926/27

Erinnerungen an die Jahre unter dem Hakenkreuz
Cover: Jahrgang 1926/27
DuMont Verlag, Köln 2007
ISBN 9783832180591
Gebunden, 214 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Eine Anthologie, die Beiträge von Prominenten des Jahrgangs 1926/ 1927 versammelt. Beim Zusammenbruch des Hitler-Regimes war diese Altersgruppe gerade mal siebzehn, achtzehn Jahre alt oder vor wenigen Wochen eben erst neunzehn Jahre alt geworden. Aus dem Vorwort: "Siebenundzwanzig Repräsentanten, Männer und Frauen, aus den Jahrgängen 1926/1927, eben jener Jahrgänge, von denen einige Personen in der letzten Zeit zur Diskussion gestellt wurden, haben sich bereit erklärt, über ihre Erlebnisse aus den letzten Jahren oder Monaten dieses Krieges und des Nazi-Regimes zu berichten. [...] Keine Rechtfertigung, keine Wiedergutmachung waren gefragt, sondern schlicht die Beantwortung der Frage: Wie war es damals wirklich? Was hatten Sie erlebt in den dramatischen letzten Jahren, den letzten Zuckungen eines monströsen, mörderischen Staatsgebildes vor dem tumultuösen Zusammenbruch? Was durchlebt im Labyrinth der Schleich- und Umwege, auf den steinigen Straßen zu den Schlachtfeldern? Was oder wer hatte sie geleitet? Die Familie, Vater, Mutter, Geschwister, Freunde, Kameraden, Lehrer, Führer der Hitlerjugend, der NSDAP, der Flak, des Arbeitsdienstes oder des Militärs?"

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2008

Tilman Jens' Artikel über das Buch ist nicht eigentlich eine Rezension, sondern ein Essay über seinen Vater Walter Jens, dessen Alzheimerkrankheit er mit dem Verdrängen seiner frühen Parteimitgliedschaft in der NSDAP in Verbindung bringt. Dennoch macht er auch einige interessante kritische Anmerkungen zu den Beiträgen in diesem Buch. Es ist ein mutiges Projekt des Verlegers Alfred Neven DuMont, der mehrere Autoren der Generation 1926/27 bat, über ihre kaum mehr Schaden stiftende, aber doch verdrängte, so gut wie nie öffentlich eingestandene NSDAP-Mitgliedschaft in jungen Jahren zu schreiben. Tilman Jens wirft gerade auch den prominenteren Autoren - darunter dem Kabarattisten Dieter Hildebrandt und dem Schriftsteller Siegfried Lenz - durchsichtige Ausweichmanöver vor. Und Günter Grass wollte sich erst gar nicht mehr in dieser Anthologie äußern. Nur eine Autorin wagt tatsächlich, ihre jugendliche Begeisterung für die Nazis zu bekennen - und sie ist ausgerechnet keine professionelle Schreiberin: die Schauspielerin Barbara Rütting. "Endlich eine Selbstauskunft ohne Politur", seufzt Tilman Jens, der über die Verdrängungsstrategien moralischer Autoritäten der Bundesrepublik tief enttäuscht ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.12.2007

Durchwachsen scheint Rezensent Lutz Lichtenberger dieser Band mit Erinnerungen des Jahrgangs 1926/27 an seine Jugend während des Dritten Reichs. Die Beiträge des Bandes bestätigen seines Erachtens zumeist die Erkenntnis der Historiker, die Zustände in Jungvolk und Hitler-Jugend sowie die formalen Vorgänge des Parteibeitritts ließen sich nicht pauschalisieren, sondern müssten differenziert betrachtet werden. Lichtenberger lobt besonders die instruktiven Beiträge von Karl Otto Conrady, der analysiert, warum er und so viele seiner Kameraden damals überhaupt "mitmachten", sowie von Hermann Lübbe, der sich mit der politisch-moralischen Urteilszuständigkeit über die NS-Zeit auseinandersetzt. Demgegenüber fallen zu Lichtenbergers Bedauern die anderen Beiträge meist deutlich ab.

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