1924: Ein Jahr nach der Großen Inflation kommen Franz und Anton zur Welt, der eine in München, der andere nahe Hannover. In dieser Zeit, in der die Verheißung, die Wunden des Ersten Weltkriegs durch ein Wunder zu heilen, auf einen immer fruchtbareren Boden fällt, werden ihre Familien schicksalhaft durch einen veritablen Goldmacher verbunden. Franz, Sohn eines Bankiers, wächst im Dunstkreis vom Wunderglauben und Okkultismus des Dritten Reichs auf, während Anton, Sohn eines Papierfabrikanten, durch den Bankrott des Vaters infolge des Goldmacherbetrugs von der Mutter lernt, im Wunderglauben die Werke des Teufels zu erkennen. In kindlichem Allmachtsgefühl schwört Anton, ihn durch die Wahrheit zu vernichten. In der Hitlerjugend treffen sie aufeinander, der aufklärungsbesessene Bücherwurm Anton Bluhm und der wettkämpferische Wunderweltenbauer Franz Münzer. Es ist der Beginn einer lebenslangen Freundschaft voller Ambivalenzen und Rivalitäten, voll von Liebesbegehren und familiären Brüchen und Aufbrüchen in Zeiten der Beschleunigung und der Lust auf Leben.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 29.11.2012
Rezensent Wend Kässens stellt Gisela Stellys Familienroman "Goldmacher" vor, an dem er zwar manches zu bekritteln hat, den er insgesamt aber dennoch als fesselnd lobt. Erzählt wird über vier Generationen und anhand zweier Hauptfiguren - der eine seit der Nachkriegszeit ein erfolgreicher Chefredakteur, der andere ein Banker - die in der Wirtschaftswunderzeit im Baugeschäft zusammen erfolgreich sind, erfahren wir. Hinter dem Chefredakteur hat man Stellys Ex-Ehemann Rudolf Augstein zu erkennen geglaubt, weiß der Rezensent, der manches an diesem Roman etwas überkonstruiert findet. Zu viele handelnde Personen und Schauplätze, dazu allzu typisierende Figurenzeichnungen überzeugen Kässens zwar nicht unbedingt. Trotzdem hat er sich von diesem Roman, der bis in die Zeit nach der Wende führt, in den Bann schlagen lassen und bescheinigt ihm mitunter gar Politkrimi-Qualitäten.
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