Alfred Polgar

Alfred Polgar: Das große Lesebuch

Cover: Alfred Polgar: Das große Lesebuch
Kein und Aber Verlag, Zürich 2003
ISBN 9783036951164
Gebunden, 428 Seiten, 22,80 EUR

Klappentext

Zusammengetragen und mit einem Vorwort Harry Rowohlt. Alfred Polgar - der Verfasser von zeitkritischen Feuilletons, Skizzen, Erzählungen, Prosa zu Fragen der Literatur und des literarischen Lebens, Theaterrezensionen und dramatischen Szenen - galt und gilt noch immer als kritischer Schriftsteller, unbeugsamer Pazifist, skeptischer Humanist, Stilist von Rang und vor allem als Großer jener viel genannten "kleinen Form". Unter seinem unbestechlichen Blick wurde viel sogenannt "Großes" klein, umgekehrt bekam das Unscheinbare Würde und Bedeutung. Er beobachtete genau, wusste jene Details ausfindig zu machen, in denen der Teufel steckt. Und der Erzähler Polgar hat viele Themen: Städte, Landschaften, Dinge, Tiere, Politik und nicht zuletzt den Menschen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.10.2004

Alfred Polgar hat es sich im engen Raum der Glosse gemütlich gemacht und die große, weite Welt immer wieder gebeten, dort Platz zu nehmen. Dies geschah wohl auch, vermutet der sehr beeindruckte Rezensent Richard Swartz, weil die Glosse das bieten kann, was einem die See vorenthält: "Etwas Enge braucht das Herz zum Gefühl unendlicher Weite" (Zitat Polgar). Und vielleicht sind es auch gerade die sprachlichen Anforderungen, die ein so kurzes Textformat an den Schreiber stellt, nämlich "Sparsamkeit, Einfachheit und Souveränität", die Polgars Texte so langlebig gemacht haben. In seinen Glossen erscheine Polgar als Flaneur, der sich mit jugendlicher Beobachtungsfreude auf jede Art von gesellschaftlichem Ereignis begibt und sich von nichts aus der Fassung bringen lässt, mit einer Ausnahme: der Dummheit, "dieser prinzipientreuesten aller menschlichen Äußerungen". Bemerkenswert findet der Rezensent dabei, wie Polgar dieser Dummheit begegnet. Nicht mit Ironie - denn damit ist ihr nicht beizukommen - sondern mit "einem Erstaunen, das manchmal in Entsetzen übergeht", oder auch indem er die Dummheit gleichsam von innen bekämpft und eine Vorstellung bis in ihre letzte - "bedenkliche" - Konsequenz zuende denkt. Was Polgar an den Leser heranträgt, so der schwärmende Rezensent, ist "der Schaum des Erlebten", und der Stil, den Polgar in seinen Begegnungen mit der Welt stets bewahrt, macht diesen Schaum zu einem seltenen Leseglück für den Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.02.2004

Immer noch hängt Alfred Polgar das Etikett vom "charmanten Plauderer" an, bedauert Oliver Pfohlmann und zitiert Hermann Hesse, der Polgar einen "wirklichen, ernsthaften Glauben" abgesprochen hat. Nicht, dass Polgar nicht charmant geplaudert hätte, hält Pfohlmann dagegen, doch so gehe man ihm genau auf den Leim. So harmlos seien seine ironischen Miniaturen, Skizzen, Erzählungen aus Wien nach dem Untergang der Monarchie gar nicht, sie glossierten und demaskierten mit teilweise spitzen Pointen die Scheinheiligkeit von Justiz, Presse, Militär und Bürgertum. Pfohlmann begrüßt die Tatsache, dass Herausgeber Harry Rowohlt für diesen Leseband den Schwerpunkt auf den "mittleren Polgar" gelegt hat, den Chronisten der 20er und 30er Jahre. Dem Rezensenten fehlen allerdings Erklärungen für jüngere Leser, denen auf diese Weise viele Anspielungen auf damals aktuelle Begebenheiten entgehen beziehungsweise unverständlich bleiben. Auf das Selbstlob des Herausgebers dagegen hätte Pfohlmann verzichten können.

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