Übersetzt von Eldad Stobetzki und Mirjam Pressler. Mit 32 Farbfotografien des Herausgebers. Der Berliner Fotograf Ali Ghandtschi machte sich auf den Weg nach Israel, um Schriftsteller und Künstler zu porträtieren und sich ein eigenes Urteil über das Land zu bilden. Irgendwann begann er - als Deutscher, Perser, Nichtjude in einer besonderen Position -, Fragen zu stellen und ein Tonbandgerät mitlaufen zu lassen. Um die Unterhaltung nicht gleich auf Politik zu lenken, bat er seine Gesprächspartner, ihm von ihrer Kindheit zu erzählen. Fast alle waren erfreut, dass sich jemand für persönliche Geschichten und nicht nur für die Politik interessierte. Und dennoch spannt sich der Bogen der Erinnerungen in diesem Band fast immer bis in die Gegenwart und berührt die derzeitige Lage. Da alles in Israel mit Politik zu tun hat, sind auch Kindheitserinnerungen politisch. Und auch die Bilder von Ali Ghandtschi zeugen von einem Alltag, der nur scheinbar alltäglich ist. Sie erzählen vom Übertönen, Ausstreichen und Rechthabenwollen. Von der Suche nach der einen Wahrheit. So ergibt sich aus der Vielzahl der unterschiedlichsten Stimmen - moderat religiöse, orthodoxe und säkulare Juden, Zionisten und palästinensische Israelis - ein Gesamtbild mit unerwarteten Perspektiven.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.11.2015
Carsten Hueck kommt zu ungeahnten Einsichten über Israel mit diesem Buch des Fotografen Ali Ghandtschi. Die von Ghandtschi gesammelten und, wie Hueck findet, klug collagierten Porträts, in denen Künstler, Schriftsteller und Musiker Geschichten von "ihrem" Israel erzählen, ergeben für Hueck ein mehrschichtiges, vielstimmmiges Dokument, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet und je nach Blickwinkel (jüdisch, arabisch, friedensbewegt et cetera.) die Verhältnisse im israelischen Alltag anders beleuchtet.
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