Wie ist es, in einem Land aufzuwachsen, in dem die jüdische Hegemonie die arabische Bevölkerung verdrängt, ausschließt und zum Schweigen bringt? Und wo kann ein Jude heute einheimisch sein - in Israel, Palästina, Deutschland? Tomer Dotan-Dreyfus erzählt die vom Holocaust überschattete Geschichte seiner Familie. Zugleich setzt er sich mit der israelischen Gründungsgeschichte und der Realität der Besatzung auseinander. Welche Folgen hat der Krieg in Nahost für die deutsche Erinnerungskultur?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 26.09.2025
Für Rezensent Carsten Hueck eröffnet Tomer-Dotan-Dreyfus in "Keinheimische" kaum neue Perspektiven auf das Verhältnis zwischen Israel und Palästina bzw. zwischen den Menschen, die dort leben, sondern verfestigt stattdessen jene fatale "dichotomische" Sichtweise, die derzeit verbreitet sei: So erklärt der Autor von vornherein jede Kritik an seiner Perspektive für illegitim, lesen wir. Dabei stellt Dotan-Dreyfus einige durchaus interessante Überlegungen an, findet Hueck: zum israalischen Nationalstaatskonzept etwa, zum Prinzip des "Einheimischseins" im Allgemeinen, zur Militarisierung Israels, usw. Allerdings gelingt ihm keine ausgewogene, tiefgehende Analyse, bedauert Hueck. Stattdessen irrlichtert Dotan-Dreyfus, ganz vom "empfindsam-exaltierten Zeitgeist" erfüllt, zwischen anschaulichen autobiografischen Anekdoten, Selbsttherapie, philosophischen Betrachtungen, Betroffenheitserklärungen und Verallgemeinerungen, die mehr als nachlässig sind, so der enttäuschte Rezensent.
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