Der 7. Oktober 2023 stellt für die jüdische Gemeinschaft eine tiefe Bruchstelle dar, die durch soziale Kälte und Antisemitismus noch vertieft wird. Marina Chernivsky schreibt von Zeiten, die nicht vergehen, und Orten, die nachleben. Sie beschreibt in einer bildhaften, berührenden Sprache, wie die Vergangenheit fortwirkt und welche Herausforderungen die Gegenwart mit sich bringt. Mit Bruchzeiten legt sie ein Buch vor, das autobiografische Erzählungen mit gesellschaftlichen Beobachtungen verwebt. Ein Porträt über das Leben in einer Welt, die in Fragmente zerfallen ist und nur aus ihren Bruchstellen heraus verstanden werden kann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2025
Ein eindringliches und notwendiges Buch hat Marina Chernivsky laut Rezensent Richard C. Schneider geschrieben. Es beschäftigt sich weniger mit dem 7. Oktober als mit dessen Folgen in Deutschland, also mit den oft indifferenten Reaktionen der Mehrheitsgesellschaft und vor allem mit der Verunsicherung, die sich bei jüdischen Menschen in Deutschland einstellte. Unter anderem schreibt Chernivsky über Menschen, die die Plakate der israelischen Geiseln in Deutschen Städten abreißen und damit jüdisches Leben selbst attackieren, außerdem geht es, fasst Schneider zusammen, unter anderem darum, ob es Juden noch möglich ist, Kippa zu tragen. Chernivsky hat kein Empörungsbuch geschrieben, meint Schneider, sondern eines, das, basierend auf eigenen Erfahrungen, der zunehmenden Entfremdung der Juden von der Mehrheitsgesellschaft nachfühlt, wobei auch die Aktualisierung des Traumas der Shoah eine Rolle spielt. Insgesamt zeigt das starke Buch dem Rezensent, wie sehr in Sachen neuem Antisemitismus die gesamte deutsche Gesellschaft mitsamt ihrer Erinnerungskultur gefordert ist.
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