Aus dem Englischen von Silvia Morawetz. Zu einer Dinnerparty bringt der Freund eines Freundes einen Fremden mit, Miles Garth. Man unterhält sich, wird angenehm betrunken, die Diskussionen werden lebhafter, und manchmal schrammen sie auch kurz am Streit vorbei. Man kennt das. Miles fügt sich einigermaßen in die Runde ein, auch wenn er als Vegetarier, der nicht trinkt und manchmal allzu offen spricht, irgendwie anders ist. Doch dann steht Miles mitten unter dem Essen auf, schließt sich im Gästezimmer ein und ist fortan nicht mehr dazu zu bewegen, wieder herauszukommen. Das kennt man eher nicht. Und es ist überdies ganz schön peinlich, zumal der ungebetene Dauergast bald überregionale Prominenz erlangt und sich um das Haus in Greenwich eine Miles-Fangemeinde schart, inklusive Protestbannern und Merchandising. Währenddessen versuchen vier Personen das Rätsel um Miles zu lösen: Anna, die vor dreißig Jahren mit Miles durch Europa reiste; Mark, der Miles zur Party mitgebracht hat; May, eine alte, demente Frau, deren Verbindung zu Miles sehr überraschend ist (und sehr zu Herzen geht); und die neunjährige Brooke, die vor Wissbegierde strotzt und Wortspiele über alles liebt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2012
Rezensentin Katharina Teutsch fragt sich, wieso diese Autorin, eine mehrfache Booker-Prize-Nominierte immerhin, bei uns so wenig Beachtung findet. Die Antwort gibt sich Teutsch dann selbst, indem sie Ali Smiths neuen Roman als intellektuelles Dandytum bezeichnet, das auch noch Sprachkritik betreibt. Das schreit doch förmlich nach der Nische! Leider, meint Teutsch, die das Buch sehr genossen hat, weil Smith, wie sie schreibt, mit einfachen Mitteln Klischees und Erwartungshaltungen, gewohnte Sprecherrollen etwa, angenehm enttäuscht, den Spaß an der Sprache ins Spiel bringt, die Balance zwischen Wahrheit und Fiktion hält und das alles nicht schulmeisterlich, sondern locker von der Leber weg. Die Handlung des Buches, wie sie Teutsch hier anreißt, klingt auch schräg genug.
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