Inwieweit Intelligenz erblich ist, wird in der Öffentlichkeit immer wieder heftig diskutiert. Aus wissenschaftlicher Sicht steht jedoch fest, dass es genetisch bedingte Unterschiede gibt. Allerdings wird das Potenzial, das jeder Mensch mitbringt, erst wirksam, wenn es in Familie und Schule nach besten Möglichkeiten gefördert wird. In ihrem neuen Buch erklären die renommierten Intelligenzforscher Elsbeth Stern und Aljoscha Neubauer, wie es zu Intelligenz- und Begabungsunterschieden kommt, wie man Intelligenz messen kann, woran man überdurchschnittlich begabte Menschen erkennt und wie man Intelligenz fördert. Sie stellen klar: Intelligenz ist eine individuelle Ressource, die man nur in der Gemeinschaft entwickeln kann. Und: Wir haben Begabte nötiger denn je, hängt der Erfolg unserer Informations- und Wissensgesellschaft doch maßgeblich von ihnen ab.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.06.2013
Was die Psychologen Elsbeth Stern und Aljoscha Neubauer in ihrem Buch "Intelligenz" schreiben, könnte sich ein Bildungspolitiker sicherlich nicht leisten, meint Christian Weber. Die Autoren betonen die Bedeutung der Gene für das menschliche kognitive Potential und gelangen zu dem Schluss: es gibt angeborene Unterschiede, die in der heutigen zentraleuropäischen Schul- und Universitätslandschaft nicht ausreichend berücksichtigt werden, zu viele Schüler besuchen Gymnasien, zu viele die weiterführenden Hochschulen, berichtet der Rezensent. Der Anspruch auf besondere Förderung und 'höhere Bildung' sollte stärker von der Begabung abhängig gemacht werden, "längst nicht jedes Akademikerkind" gehört auf die Uni, erfährt Weber von den Autoren. Ob Stern und Neubauer auch mit ihrer Prophezeiung recht haben, dass einer Gesellschaft, "die ihre Intelligenzreserven nicht ausnutzt", der Abstieg droht, wagt der Rezensent zu bezweifeln. Trotzdem findet er, dass dieses Buch der hiesigen Bildungsdebatte nur gut tun kann.
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