Aus dem Französischen von Brigitte Große. Schon als Kind ist Amélie fasziniert von dem Märchen des Kranichs, der aus seinen eigenen Federn ein Gewebe macht, so schön, wie es noch nie jemand gesehen hat. Sie fühlt sich ihm verwandt und studiert fortan die Vögel all jener Weltteile, in die sie als Diplomatentochter kommt: Japan, China, USA, Bangladesch, Bhutan. Sie lernt von ihnen den Aufschwung, den Sturzflug, das Leben. Aber auch den Übergang ins Reich der Toten - und die Kunstflüge des Schreibens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.2025
Amélie Nothomb ist eine Vielschreiberin und Inszenierungskünstlerin, weiß Rezensentin Barbara von Machui, und sie hat ein bislang ziemlich turbulentes Leben erlebt, das sie in diesem neuesten Buch "aus der Vogelperspektive" überfliegt. Bei ihrer Geburt ist ihr Vater Konsul in Japan, sie lernt Burma, Laos und China kennen, wird mit zwölf vergewaltigt, entwickelt eine Anorexie, stirbt beinahe und studiert in New York, bevor sie mit dem Schreiben erfolgreich wird. Dieses "gewaltsame Zerbrechen der Eierschale" durchzieht auch dieses Buch, so Machui, in Verbindungen mit Rilke und Kafka wird Nothomb dort zu einer Art heiligem Geist und wird in Vogelform eine "Seelenbegleiterin", die mehr zu metapherngesättigten Meditationen neigt als zu einer zusammenhängenden Handlung, was der Kritikerin aber ganz recht zu sein scheint, die hier Kunst und Exzentrik in wunderbarer Mischung vorfindet.
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