Schweben
Roman

Paul Zsolnay Verlag, Wien 2025
ISBN
9783552075207
Gebunden, 192 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Gewalt scheint nicht mehr zu existieren, der Klimawandel längst vollzogen. Eine bedrohliche Gelassenheit liegt über der abgeschotteten Siedlung, in der sie lebt. An ihren eigenen Namen hat sie keine Erinnerung mehr. Sie verdient ihr Geld damit, andere Frauen zu imitieren, deren Angehörige nicht mit dem Verlust der Geliebten, der Ehefrau, der Tochter zurechtkommen. Während eines neuen Auftrags gerät ihre Welt ins Wanken: Wer ist diese Emma, die sie spielt? Weisen seltsame Phänomene am Rand der Siedlung auf deren Untergang hin? Und warum ist sie selbst so besessen davon, eine andere zu sein?
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Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 12.06.2025
Rezensent David Hugendick wird nicht warm mit dieser Dystopie von Amira Ben Saoud, die ihn in eine archaische Welt führt, in der aus "vorapokalyptischen" Tagen nur noch Fitnessstudios übriggeblieben sind. Die namenlose Ich-Erzählerin bietet einsamen Männern an, die Rolle verschwundener Frauen anzunehmen - in ihrem Job kommt es auch zu Vergewaltigungen und ungewollten Schwangerschaften, resümiert der Kritiker. "Substanz" oder Vielschichtigkeit sucht Hugendick vergeblich im Roman, vielmehr scheint es ihm, als sei hier schnell eine Apokalypsen-Kulisse errichtet worden. "Dystopie-Glutamat aus der Dose" nennt Hugendick das.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.05.2025
Rezensentin Amira El Ahl empfiehlt unbedingt den Debütroman der österreichischen "The Gap"-Chefredakteurin Amira Ben Saoud, auch wenn sich die Leserin warm anziehen sollte. Denn die Autorin führt uns in eine ferne dystopische Zukunft, in der nach Kriegen und großer Hitze eine Eiszeit ausgebrochen ist und die Überlebenden sich über die Erde verteilt in kleinen Einheiten organisiert haben. Es gelten strikte Regeln, Instinkte sollen unterdrückt werden - und im Mittelpunkt steht eine Frau, die auf Bestellung die Rolle von Frauen einnimmt, über die jemand nicht hinwegkommt. Die Kritikerin sieht in diesem Roman nicht nur die großen Themen Klimakatastrophe, Migration und Identität spannend verhandelt. Sie liest auch ein "fesselndes Gedankenexperiment", das lange nachhallt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.05.2025
Die Heldinnen der drei Zukunftsromane von Carla Kaspari, Amira Ben Saoud und Luise Meier, die Rezensent Thore Rausch bespricht, haben eine ganz spezielle Fähigkeit gemeinsam, nämlich mit Hilfe des "sanften Rausches" einer dystopischen Welt entfliehen zu können. In Amira Ben Saouds Roman ist nicht viel Raum für Hoffnung: Die Apokalypse hat die Demokratie zerstört, Frauen werden in den nun installierten autokratischen, patriarchalen Regimen unterdrückt, lesen wir. Doch Saouds Protagonistin ist weit entfernt davon, die feministische Revolution zu planen, so der Kritiker, vielmehr leidet sie am chronischer Müdigkeit und Überforderung - das spiegelt einen gegenwärtigen Zustand gut wider, findet Rausch, ist Ausdruck der "empfundenen Schwere" einer jungen Generation, die an ständigen Katastrophenmeldungen und Informationsüberfluss leidet. In "ruhiger und sanfter" Sprache seziert die Autorin den Eskapismus der Heldin, die ob der Unmöglichkeit wahrer Befreiung, permanent vor sich selbst und der Realität flieht, resümiert der angetane Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 08.04.2025
Rezensent Samuel Hamen konstatiert eine trostlose Vision der Zukunft in Amira Ben Saouds Debütroman. Die Utopie einer gewaltlosen Gesellschaft wird im Text als frommer Wunsch eines autoritären Systems entlarvt, erklärt Hamen. Unruhen und Flucht sind die Folge. Dass die Autorin das Erzählen so eng an ihre Protagonistin bindet, eine aufbegehrende, nach Identität suchende Frau, tut dem Roman allerdings nicht gut, findet der Rezensent. Die Romanwelt bleibt blass, das Erzählen eher konventionell, so Hamen.